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| − | '''Carlo Maria Viganò''' (geb. 16. Januar 1941 in Varese, Italien) ist ein italienischer katholischer Geistlicher und emeritierter Diplomat des Heiligen Stuhls. Der Kurienbischof ist seit 1992 Titularerzbischof von Ulpiana. Er diente von 2009 bis 2011 als Generalsekretär des Governatorats der Vatikanstadt, anschließend bis 2016 als Apostolischer Nuntius in den Vereinigten Staaten. Seit 2018 ist Viganò in der Öffentlichkeit als scharfer Kritiker von Papst Franziskus sowie als Verbreiter von [[Verschwörungstheorie|Verschwörungsideologien]] bekannt. | + | [[Datei:Carlo Maria Vigano Stopworldcontrol 2022.jpg|Carlo Maria Viganò als Vorbild bei [[Verschwörungstheorie]]n-Webseite Stopworldcontrol von David Sorensen (David John Sörensen, USA 2022)|380px|thumb]] |
| | + | [[Datei:Carlo Maria Vigano KLA TV 2021.jpg|Carlo Maria Viganò bei [[Kla TV]] des Schweizer Sektenführers [[Ivo Sasek]] (2021)|380px|thumb]] |
| | + | '''Carlo Maria Viganò''' (geb. 16. Januar 1941 in Varese, Italien) ist ein italienischer katholischer Geistlicher, Schismatiker und emeritierter Diplomat des Heiligen Stuhls. Viganó ist seit 2024 exkommuniziert und seit 1992 Titularerzbischof von Ulpiana. Er diente von 2009 bis 2011 als Generalsekretär des Governatorats der Vatikanstadt, anschließend bis 2016 als Apostolischer Nuntius in den Vereinigten Staaten. Seit 2018 ist Viganò in der Öffentlichkeit als scharfer Kritiker von Papst Franziskus sowie als Verbreiter von [[Verschwörungstheorie|Verschwörungsideologien]] bekannt. |
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| − | == Leben == | + | Er ist Unterstützer von Donald Trump und der russischen Regierung unter Vladimir Putin. Gegner von Trump seien "Kinder der Dunkelheit". Mit Steve Bannon wollte der Geistliche eine ultrakatholische Denkfabrik in Italien aufbauen. |
| | + | ==Leben== |
| | Carlo Maria Viganò empfing am 24. März 1968 das Sakrament der Priesterweihe für das Bistum Pavia. Viganò wurde zum Doktor beider Rechte promoviert. | | Carlo Maria Viganò empfing am 24. März 1968 das Sakrament der Priesterweihe für das Bistum Pavia. Viganò wurde zum Doktor beider Rechte promoviert. |
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| | === Konflikte mit Papst Franziskus === | | === Konflikte mit Papst Franziskus === |
| − | Im Zusammenhang mit dem wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Kardinalsstand zurückgetretenen Washingtoner Alt-Erzbischof Theodore McCarrick und dem Vertuschungsskandal um seine Vergehen wurde am Abend des 25. August 2018 in den USA ein elfseitiges Schreiben von Erzbischof Viganò veröffentlicht, in dem er behauptet, dass Papst Benedikt XVI. im Jahr 2009 oder 2010 strenge kanonische Sanktionen gegen McCarrick verhängt und ihm ein Leben in Gebet und Buße auferlegt habe, und dessen Nachfolger Papst Franziskus beschuldigt, diese 2013 wieder aufgehoben und McCarrick zu einem seiner Berater gemacht zu haben, obwohl er von ihm selbst über die Vergehen McCarricks informiert worden sei. Er forderte in seinem Schreiben Papst Franziskus und mehrere Kardinäle zum Amtsverzicht auf. Dies wird von Kirchenhistorikern als Versuch Viganòs und anderer bewertet, den Papst zu stürzen.<ref>Massimo Faggioli: ''Neue Regeln für das Konklave: Warum der Papst jetzt handeln sollte. Franziskus-Gegner könnten Wahl von neuem Pontifex massiv beeinflussen.'' In: katholisch.de, 2. August 2021 [https://www.katholisch.de/artikel/30763-neue-regeln-fuer-das-konklave-warum-der-papst-jetzt-handeln-sollte].</ref> | + | Im Zusammenhang mit dem wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Kardinalsstand zurückgetretenen Washingtoner Alt-Erzbischof Theodore McCarrick und dem Vertuschungsskandal um seine Vergehen wurde am Abend des 25. August 2018 in den USA ein elfseitiges Schreiben von Erzbischof Viganò veröffentlicht, in dem er behauptet, dass Papst Benedikt XVI. im Jahr 2009 oder 2010 strenge kanonische Sanktionen gegen McCarrick verhängt und ihm ein Leben in Gebet und Buße auferlegt habe, und dessen Nachfolger Papst Franziskus beschuldigt, diese 2013 wieder aufgehoben und McCarrick zu einem seiner Berater gemacht zu haben, obwohl er von ihm selbst über die Vergehen McCarricks informiert worden sei. Viganò sah in Papst Franziskus einen Usurpator, der die Kirche zerstören wolle. Er forderte 2024 die Schweizer Garde auf, ihn zu verhaften, weil Franziskus' Segnungen homosexueller Paare erlaubt hatte. Er forderte in seinem Schreiben Papst Franziskus und mehrere Kardinäle zum Amtsverzicht auf. Dies wird von Kirchenhistorikern als Versuch Viganòs und anderer bewertet, den Papst zu stürzen.<ref>Massimo Faggioli: ''Neue Regeln für das Konklave: Warum der Papst jetzt handeln sollte. Franziskus-Gegner könnten Wahl von neuem Pontifex massiv beeinflussen.'' In: katholisch.de, 2. August 2021 [https://www.katholisch.de/artikel/30763-neue-regeln-fuer-das-konklave-warum-der-papst-jetzt-handeln-sollte].</ref> |
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| | Die Würzburger Wochenzeitung ''Die Tagespost'' publizierte Viganòs Vorwürfe gegen Papst Franziskus in deutscher Übersetzung als „exklusive Veröffentlichung“.<ref>[https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/online/Exklusiv-Das-Schreiben-von-Ex-Nuntius-Vigano-in-deutscher-UEbersetzung;art4691,191445 ''Das Schreiben von Ex-Nuntius Viganò exklusiv in deutscher Übersetzung.''] Die Tagespost vom 29. August 2018, abgerufen am 11. September 2018</ref> Am 7. Oktober 2018 übte Kurienkardinal Marc Ouellet scharfe Kritik an Viganòs Behauptungen.<ref>[https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2018-10/brief-kardinal-ouellet-vigano-mccarrick-missbrauch-homosexuell.html Gudrun Sailer: ''Vatikan: Offener Brief von Kardinal Ouellet zu den jüngsten Anschuldigungen gegen den Heiligen Stuhl.''] Vatican News vom 7. Oktober 2018</ref> In seiner Replik an Ouellet kritisierte Viganò den Papst erneut und bezeichnete Homosexualität im Klerus als „ansteckende Plage“. Missbrauchsopfer zu beklagen, aber nicht „Homosexualität als die Hauptursache zahllosen sexuellen Missbrauchs“ zu benennen, sei „Heuchelei“.<ref>[https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/erzbischof-vigano-papst-soll-irrtumer-bekennen ''Erzbischof Vigano: Papst soll „Irrtümer bekennen“.''] katholisch.de vom 19. Oktober 2018</ref> 2020 warf er dem Papst Abfall vom Glauben vor, nachdem dieser für die zivilrechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften eingetreten war. Dessen Äußerungen seien „heterodox“.<ref>Andres Wysling: ''[https://www.nzz.ch/meinung/homosexuelle-papst-wagt-leichte-kurskorrektur-ld.1583203 Der Papst wagt eine leichte Kurskorrektur.]'' Neue Zürcher Zeitung vom 22. Oktober 2020, abgerufen gleichentags.</ref> | | Die Würzburger Wochenzeitung ''Die Tagespost'' publizierte Viganòs Vorwürfe gegen Papst Franziskus in deutscher Übersetzung als „exklusive Veröffentlichung“.<ref>[https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/online/Exklusiv-Das-Schreiben-von-Ex-Nuntius-Vigano-in-deutscher-UEbersetzung;art4691,191445 ''Das Schreiben von Ex-Nuntius Viganò exklusiv in deutscher Übersetzung.''] Die Tagespost vom 29. August 2018, abgerufen am 11. September 2018</ref> Am 7. Oktober 2018 übte Kurienkardinal Marc Ouellet scharfe Kritik an Viganòs Behauptungen.<ref>[https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2018-10/brief-kardinal-ouellet-vigano-mccarrick-missbrauch-homosexuell.html Gudrun Sailer: ''Vatikan: Offener Brief von Kardinal Ouellet zu den jüngsten Anschuldigungen gegen den Heiligen Stuhl.''] Vatican News vom 7. Oktober 2018</ref> In seiner Replik an Ouellet kritisierte Viganò den Papst erneut und bezeichnete Homosexualität im Klerus als „ansteckende Plage“. Missbrauchsopfer zu beklagen, aber nicht „Homosexualität als die Hauptursache zahllosen sexuellen Missbrauchs“ zu benennen, sei „Heuchelei“.<ref>[https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/erzbischof-vigano-papst-soll-irrtumer-bekennen ''Erzbischof Vigano: Papst soll „Irrtümer bekennen“.''] katholisch.de vom 19. Oktober 2018</ref> 2020 warf er dem Papst Abfall vom Glauben vor, nachdem dieser für die zivilrechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften eingetreten war. Dessen Äußerungen seien „heterodox“.<ref>Andres Wysling: ''[https://www.nzz.ch/meinung/homosexuelle-papst-wagt-leichte-kurskorrektur-ld.1583203 Der Papst wagt eine leichte Kurskorrektur.]'' Neue Zürcher Zeitung vom 22. Oktober 2020, abgerufen gleichentags.</ref> |
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| | === Verschwörungsmythen === | | === Verschwörungsmythen === |
| − | ==== Corona-Krise ==== | + | ==== Corona-Pandemie ==== |
| | Carlo Maria Viganò ist der Urheber eines Aufrufs vom 7. Mai 2020 mit dem lateinischen Titel „Veritas liberabit vos!“<ref>[https://veritasliberabitvos.info/aufruf/ ''Veritas liberabit vos!'' (Offizielle Webpräsenz)] auf ''veritasliberabitvos.info'' vom 8. Mai 2020, abgerufen am 11. Mai 2020, nicht mehr abrufbar am 23. Dezember 2020. Vollständiger englischer Wortlaut und Unterschriftenliste noch zu finden unter [https://insidethevatican.com/news/newsflash/letter-10-may-7-2020-appeal-for-dignity/ Letter #10, May 7, 2020: Appeal for Dignity], ''Inside the Vatican'' vom 7. Mai 2020, vollständiger deutscher Wortlaut auf ''kath.net'' vom 7. Mai 2020: [https://www.kath.net/news/71579 Veritas liberabit vos!], beide abgerufen am 23. Dezember 2020.</ref> (''Die Wahrheit wird euch befreien'', nach B|Joh|8|32), das auf dem Internetportal ''katholisch.de'' der Deutschen Bischofskonferenz als „Konglomerat an Verschwörungsmythen und Pseudowissenschaft“ bezeichnet wird. Es wurde von mehreren Gegnern von Papst Franziskus unterzeichnet, so auch von dem deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Gerhard Ludwig Müller und weiteren katholischen Geistlichen, Journalisten, Medizinern und Anwälten. In dem Pamphlet wird beklagt, dass unter dem Vorwand der COVID-19-Pandemie Rechte und Grundfreiheiten vieler Bürger „unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt“ würden; die öffentliche Gesundheit dürfe kein Alibi werden, „um die Zivilbehörden von ihrer Pflicht zu befreien, klug für das Gemeinwohl zu handeln“. Es werden Zweifel an der tatsächlichen Ansteckungsgefahr des Coronavirus geäußert und die Berichterstattung über die Pandemie als „Alarmismus“ bezeichnet. Die ergriffenen Eindämmungsmaßnahmen förderten die Einmischung „fremder Mächte“ mit schwerwiegenden sozialen und politischen Folgen; „supranationale Einheiten“ mit „unklaren Absichten“ strebten unter Zuhilfenahme einer Corona-Angst die „Schaffung einer Weltregierung“ an. Der römische Kurienkardinal Robert Sarah, der als Mitunterzeichner genannt wurde, hatte sich bereits am Tag der Veröffentlichung davon distanziert.<ref>Felix Neumann: ''Erzbischof Viganò: Vom Nuntius zum Verschwörungstheoretiker''. In: ''katholisch.de'', 8. Mai 2020 [https://www.katholisch.de/artikel/25438-erzbischof-vigano-vom-nuntius-zum-verschwoerungstheoretiker online]</ref><ref>[http://www.kath.net/news/71579 kath.net: ''Veritas liberabit vos!''] 7. Mai 2020.</ref> | | Carlo Maria Viganò ist der Urheber eines Aufrufs vom 7. Mai 2020 mit dem lateinischen Titel „Veritas liberabit vos!“<ref>[https://veritasliberabitvos.info/aufruf/ ''Veritas liberabit vos!'' (Offizielle Webpräsenz)] auf ''veritasliberabitvos.info'' vom 8. Mai 2020, abgerufen am 11. Mai 2020, nicht mehr abrufbar am 23. Dezember 2020. Vollständiger englischer Wortlaut und Unterschriftenliste noch zu finden unter [https://insidethevatican.com/news/newsflash/letter-10-may-7-2020-appeal-for-dignity/ Letter #10, May 7, 2020: Appeal for Dignity], ''Inside the Vatican'' vom 7. Mai 2020, vollständiger deutscher Wortlaut auf ''kath.net'' vom 7. Mai 2020: [https://www.kath.net/news/71579 Veritas liberabit vos!], beide abgerufen am 23. Dezember 2020.</ref> (''Die Wahrheit wird euch befreien'', nach B|Joh|8|32), das auf dem Internetportal ''katholisch.de'' der Deutschen Bischofskonferenz als „Konglomerat an Verschwörungsmythen und Pseudowissenschaft“ bezeichnet wird. Es wurde von mehreren Gegnern von Papst Franziskus unterzeichnet, so auch von dem deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Gerhard Ludwig Müller und weiteren katholischen Geistlichen, Journalisten, Medizinern und Anwälten. In dem Pamphlet wird beklagt, dass unter dem Vorwand der COVID-19-Pandemie Rechte und Grundfreiheiten vieler Bürger „unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt“ würden; die öffentliche Gesundheit dürfe kein Alibi werden, „um die Zivilbehörden von ihrer Pflicht zu befreien, klug für das Gemeinwohl zu handeln“. Es werden Zweifel an der tatsächlichen Ansteckungsgefahr des Coronavirus geäußert und die Berichterstattung über die Pandemie als „Alarmismus“ bezeichnet. Die ergriffenen Eindämmungsmaßnahmen förderten die Einmischung „fremder Mächte“ mit schwerwiegenden sozialen und politischen Folgen; „supranationale Einheiten“ mit „unklaren Absichten“ strebten unter Zuhilfenahme einer Corona-Angst die „Schaffung einer Weltregierung“ an. Der römische Kurienkardinal Robert Sarah, der als Mitunterzeichner genannt wurde, hatte sich bereits am Tag der Veröffentlichung davon distanziert.<ref>Felix Neumann: ''Erzbischof Viganò: Vom Nuntius zum Verschwörungstheoretiker''. In: ''katholisch.de'', 8. Mai 2020 [https://www.katholisch.de/artikel/25438-erzbischof-vigano-vom-nuntius-zum-verschwoerungstheoretiker online]</ref><ref>[http://www.kath.net/news/71579 kath.net: ''Veritas liberabit vos!''] 7. Mai 2020.</ref> |
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| | [[Kategorie:Verschwörungstheoretiker]] | | [[Kategorie:Verschwörungstheoretiker]] |
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