LDN

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Bernard Bihari

LDN ist die englischsprachige Abkürzung für Low Dose Naltrexone (niedrig dosiertes Naltrexon) und bezeichnet bestimmte Anwendungen (Off-Label-Use) des Wirkstoffes Naltrexon (engl. Naltrexone) außerhalb der dem Mittel eigentlich zugedachten urspünglichen Indikationen.

Unter der Bezeichnung LDN werden Naltrexon-Anwendungen bei Multipler Sklerose[1] und bei Krebs beobachtet. Auf Einzelbeobachtungen von Laien beruhende Empfehlungen zur Verwendung finden sich zahlreich im Internet.

In Deutschland verweisen Anhänger der LDN-Methode auf eine "Dr. Evers-Klinik", in der LDN erforscht und angewendet worden sein soll.

Naltrexon

Naltrexon ist der Wirkstoffname für zugelassene, verschreibungspflichtige Arzneimittel, die bei Suchterkrankungen eingesetzt werden. Wie Naloxon ist Naltrexon ein reiner Opioidantagonist, der als kompetitiver Antagonist an allen Opioidrezeptoren wirkt und somit bei Applikation zu einem schnellen Wirkungsverlust von Opiaten führt, solange der Wirkstoff im Blut vorhanden ist.

Naltrexon ist in Deutschland zur medikamentösen Unterstützung bei der psychotherapeutisch oder psychologisch geführten Entwöhnungsbehandlung ehemaliger Opiat-Abhängiger nach einer erfolgreichen Opiat-Entgiftung zugelassen.

Naltrexon kann bei Drogenabhängigen ein akutes Entzugssyndrom auslösen, wenn der Behandelte vor Beginn der Therapie nicht mindestens sieben Tage opiatfrei ist.

Als sehr häufige Nebenwirkungen sind Schlafstörungen, Angstzustände und gesteigerte Erregbarkeit beschrieben. Auch Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Kopfschmerzen treten sehr häufig auf. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion geboten.

LDN – Low Dose Naltrexone

Die Off-Label-Use LDN-Anwendung zur Behandlung der MS (Multiple Sklerose) gehen auf den amerikanischen Neurologen Bernard Bihari (11. November 1931 - 16. Mai 2010) aus New York City zurück, der – wie er sagt – "durch einen Zufall" auf eine niedrig dosierte Naltrexon-Anwendung bei Erkrankungen wie MS kam und das Mittel seit Mitte der achziger Jahre anwendet. Vor Bihari hatte ein Ian Zagon bereits eine LDN-Behandlung von Krebs vorgeschlagen.

Auch ist im Internet von LDN-Behandlungen weiterer und nicht miteinander verwandter Krankheiten wie der primär biliären Cholangitis/Zirrhose, Morbus Crohn, HIV/AIDS, Morbus Parkinson, chronisches Müdigkeitssyndrom/CFS (Chronic Fatigue Syndrome) und Fibromyalgie die Rede.

LDN bei MS

Befürworter der LDN-Anwendung behaupten, dass Bihari im Jahre 2004 etwa 400 MS-Patienten mit LDN behandelt habe, von denen über die Dauer der LDN-Therapie auf wundersame Weise nur zwei Patienten erneute Krankheitsanzeichen oder -symptome aufgewiesen haben sollen. Aber selbst bei diesen beiden Patienten hätten sich die Symptome später wieder gebessert. Insgesamt sei es so, dass bei 98-99% aller mit LDN behandelten MS-Patienten die Erkrankung nicht weiter fortschreite.

Eine 2010 durchgeführte Studie mit LDN bei 96 MS-Kranken konnte keine Besserung der Krankheiten aufzeigen.[2]

LDN bei Krebs

Auch bei Krebspatienten wurde LDN experimentell eingesetzt. Ebenfalls 2004 soll der LDN-Befürworter Bihari ebenfalls 450 Krebspatienten, die sich zuvor angeblich zumeist erfolglos einer herkömmliche Therapie unterzogen hatten, mit LDN behandelt haben. Dabei habe sich herausgestellt, dass etwa 60% dieser Patienten von der LDN-Einnahme "profitiert" hätten. So seien beispielsweise Tumore "geschrumpft" und es hätten sich "Remissionen" eingestellt.

Aktuell (2017) sind auch niedrig dosierte off label Anwendungen von Methadon im Gespräch, zur Optimierung einer Chemotherapie bei Krebserkrankungen. Studienergebnisse beim Menschen fehlen jedoch bislang, sodaß heute keine Aussage zur Wirksamkeit möglich ist. Behauptungen zu einer möglichen Eignung von Methadon in der Therapie von Krebserkrankungen waren jedoch Gegenstand von Berichten in deutschen Medien, so bei der ARD (Sendung Plusminus)[3] und in Blogs. In diesem Zusammenhang wurde auch der Vorwurf erhoben, dass aus mangelndem Profitinteresse keine klinischen Studien durchgeführt würden. (siehe dazu Artikel Angebliche Unterdrückung nicht patentierbarer Wirkstoffe in der Medizin)
Literatur findet sich aktuell von der deutschen Befürworterin Claudia Friesen (UK Ulm / Charite Berlin). Ausserhalb von Deutschland scheint es aktuell (2017) keine Forschungsvorhaben zum Thema Methadon und Krebs zu geben.

Literatur

  • Sharafaddinzadeh N, Moghtaderi A, Kashipazha D, Majdinasab N, Shalbafan B., "The effect of low-dose naltrexone on quality of life of patients with multiple sclerosis: a randomized placebo-controlled trial", Mult Scler. 2010 Aug;16(8): Seiten 964-969

Weblinks


Quellennachweise

  1. Y.P. Agrawal,"Low dose naltrexone therapy in multiple sclerosis",Medical Hypotheses, (2005), Vol 64, Issue 4 , Seiten 721-724, 2005
  2. Sharafaddinzadeh N, Moghtaderi A, Kashipazha D, Majdinasab N, Shalbafan B., "The effect of low-dose naltrexone on quality of life of patients with multiple sclerosis: a randomized placebo-controlled trial", Mult Scler. 2010 Aug;16(8): Seiten 964-969
  3. http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/methadon-krebstherapie-forschung-100.html