Blaufilter-Brille

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Blaufilter-Brillen (Blaulichtfilter-Brillen, engl. BPPB lenses) sind Brillen mit einem Filter zur Ausfilterung des blauen Anteils im Licht (400 bis 480 Nanometer), damit dieses das Auge nicht erreicht. Die Brillengläser von Blaufilterbrillen haben meist einen gelben oder orangen Farbton. Es gibt im Handel auch Blaufilteraufsätze (clip-ons, Aufstecker), die vor einer herkömmlichen Brille befestigt werden. Es gibt auch Filter, die nicht in Form einer Brille oder eines Aufsteckers funktionieren, sondern die als Filter vor Displays von Mobiltelephonen und Bildschirmen funktionieren. Auch lassen sich manche Geräte mit Display in einen Nachtmodus schalten, bei dem blaue Lichtanteile fehlen oder herabgesetzt werden. Windows führte mit Creators Update für Windows 10 einen Nachtmodus ein, der Augen schonen soll und für besseren Schlaf sorgen soll.

Blaues Licht ist schon immer Bestandteil des von der Sonne kommenden Tageslichts. Es kann vermutet werden, dass der heutige Mensch in Industriestaaten durch den häufigeren Aufenthalt in Gebäuden weniger blauem Licht ausgesetzt ist als seine Vorfahren, da Menschen blaues Licht zum größten Teil über das von der Sonne kommende Tageslicht erhalten. Tatsächlich findet sich im Tageslicht auch noch das noch kurzwelligere UV-Licht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Glühlampen erzeugen die energiesparenden LED-Leuchtmittel kein breites Lichtspektrum, sondern Licht mit bestimmten Wellenlängen, meist im kurzwelligen Bereich. Da dieses jedoch als "blau" oder "kühl" empfunden wird, werden bei "weißem" oder "Warmlicht" - LED entweder mehrere LED-Dioden unterschiedlicher Farben (z.B. rot, gelb) kombiniert oder es wird ein Leuchtstoff angeregt, der ein langwelligeres Lichtspektrum erzeugt. Es lassen sich auf diese Weise LEDs für verschiedene Spektren herstellen.[1]

Warum Blaulichtfilter Brillen

In der Werbung für diese Produkte wird zumeist auf negative Einflüsse von blauem Licht verwiesen. So heißt es bei der Firma Zeiss: Blaues Kunstlicht kann die Augen stressen.[2] Zumeist wird auf die Einflüsse von blauem Licht auf die Melatoninsynthese verwiesen. Die menschliche Melatoninproduktion folgt dem täglichen Lichteinfall auf die Augen und steuert den circadianen Rhytmus. Die Freisetzung des Hormons Melatonin wird unter Lichteinfluss (meist) tagsüber gehemmt. In der Werbung wird darauf verwiesen, dass Produkte wie Smartphones und Computerbildschirme mit LED-Beleuchtung einen hohen Anteil an blauem Licht hätten. Bei der Nutzung dieser Geräte käme es abends zu einer unerschwünschten Hemmung der Melatoninproduktion mit der Folge eines verzögerten Einschlafens. Letztendlich sollen die Blaulichtfilter in Brillen den Schlaf fördern, oder einem Schlafmangel entgegen wirken.

Nachteile

Neben ästetischen Auswirkungen entsprechender Brillen (Kantenfilterbrillen) haben diese den Nachteil, dass beim Nutzer die gesehenen Farben nicht mehr natürlich erscheinen. Sie haben einen mehr oder weniger ausgepägten Gelbstich.

Studienlage 2020

Ob blaues Licht tatsächlich einen schädlichen Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat, ist wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt und Gegenstand von Forschung und Diskussion. Der Mensch war schon immer dem blauen Anteil im Tageslicht ausgesetzt, wenn er sich im Freien aufhielt. Das Blaulicht im Tageslicht ist etwa 30 mal intensiver als in modernen Lichtquellen. Das für den Menschen sichtbare blau-violette Licht (HEV Licht) ist für die Produktion von Hormonen wichtig. Neben der Melatoni-Diskussion steht kurzwelliges, blaues, und UV-Licht im Verdacht einer der auslösenden Faktoren (neben Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht) der Makuladegeneration der Augen-Netzhaut zu sein. Die Ergebnisse in der so genannten Watermen-Studie zeigt, dass es vor allem der Blaulichtanteil im natürlichen Sonnenlicht ist, der das Risiko einer altersbedingten Makuladegeneration erhöht.[3]

Über positiv zu nennende gesundheitlich relevante Effekte von Blaulichtfilter-Brillen liegen im September 2020 einige Studienergebnisse vor. Demnach gibt es aus Studien Hinweise für ein besseres Einschlafverhalten bei Nutzung dieser Brillen, obwohl ein Placeboeffekt durch das Bewusstsein, eine solche Brille zu tragen, nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Der Träger einer derartigen Brille erkennt diese, auch wenn es sich um Brillen handelt die den Blauanteil nur vermindern und nicht wie die Kanteneffektbrillen völlig ausfiltern. In Studien wurde die Anwendung von Blaufilterbrillen mit herkömmlichen Brillen verglichen.

Ein bei nature erschienener Artikel berichtet darüber, dass heutige IT-Nutzer durch den verminderten Aufenthalt im Freien weniger blauem Licht ausgesetzt seien als Menschen die sich häufiger im Freien aufhalten:

Humans have evolved under natural light from the sun. Intentional staring at the sun causes eye injuries, as is reported after solar eclipses.6, 7 However, continuous viewing of the blue sky, certainly in the UK, does not present a risk of eye injuries. Comparing natural exposures with the reasonably foreseeable exposure to optical radiation from lamps, computer screens and mobile devices, such as smartphones shows that the actual spectrally weighted irradiance is lower than the natural exposures.[4]

Ein Studie, die mit 10 Radiologen durchgeführt wurde, die täglich vielen Stunden an Computerbildschirm verbringen, versorgte einen Teil mit Blaulichtfilterbrillen. Diese Untergruppe berichtete über weniger beruflich bedingte Müdigkeit.[5]
Eine andere Studie untersuchte Probanden die abends, zwei Stunden vor dem Zubettgehen, Blaulichtfilterbrillen nutzten. Diese berichteten über weniger Schlaflosigkeit.[6]
Eine Untersuchung über die abendliche Umschaltung in den "wärmeren" Night-Modus von Smartphones zeigte einen störenden Effekt vom Blauanteil der Smartphones auf den Schlaf.[7]

Ein Forschergruppe der University of Manchester hat sich mit dieser Problematik des durch blauen Lichts beeinflussbaren Schlafverhaltens befasst und bei Mäusen herausgefunden, dass es nicht blaues Licht sei, das zu Schlafstörungen führe. Er behauptet dass gedimmtes "kühles" Licht beim Einschlafen sogar behilflich sei.[8]

Eine Übersichtsarbeit von 2017, die die bis dahin veröffentlichte Fachliteratur auswertet, kommt zum Ergebnis, dass es keine hochqualitative Evidenz für positive gesundheitliche Effekte durch Blaufilterbrillen gebe:

..We find a lack of high quality evidence to support using BB spectacle lenses for the general population to improve visual performance or sleep quality, alleviate eye fatigue or conserve macular health..[9]

Beim therapeutischen Schlafentzug zur Behandlung der Depression wird mit hellem Licht (Lichtdusche) und auch blauem Licht therapiert.

siehe auch

Literatur

  • John G Lawrenson, Christopher C Hull, Laura E Downie: The effect of blue-light blocking spectacle lenses on visual performance, macular health and the sleep-wake cycle: a systematic review of the literature, November 2017, Review Ophthalmic Physiol Opt, 37(6):644-654, PMID: 29044670 DOI: 10.1111/opo.12406
  • H R Taylor, S West, B Muñoz, F S Rosenthal, S B Bressler, N M Bressler: The long-term effects of visible light on the eye, Arch Ophthalmol, Januar 1992, 110(1):99-104. doi: 10.1001/archopht.1992.01080130101035
  • Alexander Dabrowiecki, Alexander Villalobos, Elizabeth A Krupinski: Impact of blue light filtering glasses on computer vision syndrome in radiology residents: a pilot study, J Med Imaging (Bellingham), März 2020, 7(2):022402, PMID: 31824984 PMCID: PMC6897282 DOI: 10.1117/1.JMI.7.2.022402
  • Laura E Downie: Blue-light filtering ophthalmic lenses: to prescribe, or not to prescribe? Editorial Ophthalmic Physiol Opt, November 2017, 37(6):640-643. PMID: 29044667 DOI: 10.1111/opo.12414
  • Ari Shechter, Elijah Wookhyun Kim, Marie-Pierre St-Onge, Andrew J Westwood: Blocking nocturnal blue light for insomnia: A randomized controlled trial, J Psychiatr Res (Januar 2018) 96:196-202. PMID: 29101797 PMCID: PMC5703049 DOI: 10.1016/j.jpsychires.2017.10.015
  • Jung-Yoon Heo, Kiwon Kim, Maurizio Fava, David Mischoulon, George I Papakostas, Min-Ji Kim, Dong Jun Kim, Kyung-Ah Judy Chang, Yunhye Oh, Bum-Hee Yu, Hong Jin Jeon: Effects of smartphone use with and without blue light at night in healthy adults: A randomized, double-blind, cross-over, placebo-controlled comparison, J Psychiatr Res, April 2017, 87:61-70. PMID: 28017916 DOI: 10.1016/j.jpsychires.2016.12.010
  • Ouyang X, Yang J, Hong Z, Wu Y, Xie Y, Wang G.: Mechanisms of blue light-induced eye hazard and protective measures: a review. Biomed Pharmacother. 2020 Aug 4;130:110577. doi: 10.1016/j.biopha.2020.110577

Weblinks

Quellennachweise

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtdiode#Wei%C3%9Fe_LED
  2. https://www.zeiss.de/vision-care/ueber-uns/newsroom/news-overview/articles/tipp-blaulichtfilter.html
  3. *H R Taylor, S West, B Muñoz, F S Rosenthal, S B Bressler, N M Bressler: The long-term effects of visible light on the eye, Arch Ophthalmol, Januar 1992, 110(1):99-104. doi: 10.1001/archopht.1992.01080130101035
  4. https://www.nature.com/articles/eye2015261
  5. Alexander Dabrowiecki, Alexander Villalobos, Elizabeth A Krupinski: Impact of blue light filtering glasses on computer vision syndrome in radiology residents: a pilot study, J Med Imaging (Bellingham), März 2020, 7(2):022402, PMID: 31824984 PMCID: PMC6897282 DOI: 10.1117/1.JMI.7.2.022402
  6. Ari Shechter, Elijah Wookhyun Kim, Marie-Pierre St-Onge, Andrew J Westwood: Blocking nocturnal blue light for insomnia: A randomized controlled trial, J Psychiatr Res (Januar 2018) 96:196-202. PMID: 29101797 PMCID: PMC5703049 DOI: 10.1016/j.jpsychires.2017.10.015
  7. Jung-Yoon Heo, Kiwon Kim, Maurizio Fava, David Mischoulon, George I Papakostas, Min-Ji Kim, Dong Jun Kim, Kyung-Ah Judy Chang, Yunhye Oh, Bum-Hee Yu, Hong Jin Jeon: Effects of smartphone use with and without blue light at night in healthy adults: A randomized, double-blind, cross-over, placebo-controlled comparison, J Psychiatr Res, April 2017, 87:61-70. PMID: 28017916 DOI: 10.1016/j.jpsychires.2016.12.010
  8. Joshua W. Mouland, Franck Martial, Alex Watson, Robert J. Lucas, Timothy M. Brown: Cones Support Alignment to an Inconsistent World by Suppressing Mouse Circadian Responses to the Blue Colors Associated with Twilight, Dezember 2019, current biology, 29, 24, S. 4260-4267.E4, doi.org/10.1016/j.cub.2019.10.028
    https://www.manchester.ac.uk/discover/news/researchers-discover-when-its-good-to-get-the-blues/
  9. John G Lawrenson, Christopher C Hull, Laura E Downie: The effect of blue-light blocking spectacle lenses on visual performance, macular health and the sleep-wake cycle: a systematic review of the literature, November 2017, Review Ophthalmic Physiol Opt, 37(6):644-654, PMID: 29044670 DOI: 10.1111/opo.12406