Zehn Indizien für Quacksalberei

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Quacksalber

Die Zehn Indizien für Quacksalberei sind eine Liste typischer Merkmale für unwirksame pseudomedizinische Verfahren bzw. generell für medizinisch unwirksame Methoden des amerikanischen Psychiaters Stephen Barrett, dem Betreiber von Quackwatch.org. Eine ähnliche Aufstellung wurde von der Berliner Zeitschrift arznei-telegramm veröffentlicht.[1]

Quackwatch-Liste nach Stephen Barrett

Quacksalberprodukt Radam's Microbe Killer zur vermeintlichen Heilung aller Krankheiten[2]
  1. Denken Sie daran, dass Quacksalberei nur selten verschroben wirkt. Quacksalber drücken sich oft wissenschaftlich aus und zitieren aus wissenschaftlichen Quellen (wenn auch nicht immer richtig). Manche von ihnen haben eine seriöse wissenschaftliche Ausbildung hinter sich, sind dann aber von diesem Weg abgekommen.
  2. Hören Sie nicht auf Leute, die Ihnen erzählen, dass die meisten Krankheiten durch falsche Ernährung verursacht werden oder durch die Einnahme von nahrungsergänzenden Stoffen geheilt werden können. Es gibt zwar Krankheiten, die tatsächlich ernährungsbedingt sind, die meisten sind es aber nicht. Zudem sind Krankheiten, bei denen die Ernährung eine Rolle spielt, nicht durch die Einnahme von Vitaminen zu behandeln, sondern durch eine Umstellung der Ernährung.
  3. Hüten Sie sich vor Anekdoten, Empfehlungen und Referenzen. Wenn jemand behauptet, durch unorthodoxe Methoden geheilt worden zu sein, dann fragen Sie sich und wenn möglich auch Ihren Arzt, ob es auch eine andere Erklärung für die Genesung geben kann. Die meisten einmalig auftretenden, nicht chronischen Krankheiten vergehen mit der Zeit von selbst, und die meisten chronischen Krankheiten weisen symptomfreie Perioden auf. Die meisten Menschen, die von Krebs geheilt wurden, haben sich sowohl seriöser als auch unorthodoxer Behandlung unterzogen, führen ihre Genesung jedoch auf letztere zurück. Manche Beweise sind reine Erfindung.
  4. Hüten Sie sich vor pseudomedizinischer Ausdrucksweise. Anstatt ihre Krankheit zu behandeln, wird Ihnen ein Quacksalber evtl. vorschlagen, Ihren Körper zu "entgiften", ihn "chemisch ins Gleichgewicht zu bringen", seine "nervliche Energie" freizusetzen, ihn "in Harmonie mit der Natur zu bringen" oder angebliche "Schwächen" verschiedener Organe zu korrigieren. Die Anwendung von Methoden, die nicht messbar sind, macht es möglich, von Erfolgen zu sprechen, obwohl tatsächlich gar nichts getan und erreicht wurde.
  5. Fallen Sie nicht auf paranoide Behauptungen herein. Nichtkonventionelle Praktiker behaupten oft, dass die Schulmedizin, Arzneimittelhersteller und der Staat sich gegen sie verschworen haben, um alles, was sie vertreten, zu unterdrücken. Für solche Theorien wurde noch nie ein Beweis angetreten. Es widerspricht auch jeglicher Logik, dass eine Vielzahl von Menschen die Entwicklung von Behandlungsmethoden bekämpfen würde, die eines Tages ihnen selbst oder einem geliebten Menschen helfen könnten.
  6. Vergessen Sie "Geheimkuren". Echte Wissenschaftler stellen ihr Können als Teil des wissenschaftlichen Fortschritts zur Verfügung. Quacksalber halten ihre Methoden eher geheim, um zu verhindern, dass andere ihre Nutzlosigkeit unter Beweis stellen. Niemand, der tatsächlich eine Heilmethode entdeckt hat, hätte einen vernünftigen Grund dafür, diese geheimzuhalten. Eine wirksame Heilmethode, vor allem für schwere Krankheiten, würde ihrem Entdecker enormen Ruhm, Vermögen und persönliche Befriedigung bringen, wenn er seine Entdeckung mit anderen teilt.
  7. Hüten Sie sich vor den Irrtümern der Kräutermedizin. Sanft, natürlich, nebenwirkungsfrei - das Image pflanzlicher Arzneimittel ist durchweg positiv. Fast zu positiv, meinen viele Apotheker und Ärzte, denn Folge des positiven Bildes ist oft genug eine unkritische Anwendung. Wer die drei häufigsten Irrtümer über pflanzliche Arzneimittel kennt, kann jedoch sicher sein, dass ihm die Medizin aus der Natur nicht schadet: Irrtum 1: Pflanzliche Arzneimittel kann jeder nehmen. Falsch. Wer ein Magengeschwür hat oder hatte, für den sind beispielsweise Magenmittel oder Magentees mit Bitterstoffen tabu. Zum Ausschwemmen von Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) sind wassertreibende Arzneipflanzen völlig ungeeignet. Hier muss der Arzt verschreibungspflichtige Präparate, sogenannte Diuretika, verordnen. Irrtum 2: Alle pflanzlichen Arzneimittel eignen sich gut zur Dauereinnahme. Gegenbeispiele: Pfefferminze kann bei Dauergabe den Magenschließmuskel erschlaffen lassen und dadurch Sodbrennen auslösen. Wacholderbeeren können die Nieren schädigen, wenn sie jahrelang in hohen Dosen genommen werden. So gut diese Heilpflanzen über einen kurzen Zeitraum vertragen werden, für die Einnahme über Jahre sind sie ungeeignet. Tipp: Bedenken Sie, dass auch pflanzliche Präparate echte Arzneimittel sind, die Sie ohne den Rat von Apotheker oder Arzt nicht über längere Zeit anwenden sollten. Irrtum 3: Pflanzliche Arzneimittel sind ideal für Schwangere. Gegenbeispiele gibt es viele. Zum Beispiel kann Aloe, die gegen Verstopfung eingesetzt wird, den Blutfluss im Becken erhöhen und so eine Frühgeburt auslösen.
  8. Seien Sie kritisch gegenüber Produkten, die eine Vielzahl von Krankheiten bekämpfen sollen, die nichts miteinander zu tun haben, vor allem wenn es sich um schwere Krankheiten handelt. So etwas wie ein Allheilmittel oder eine Wunderkur für jede Krankheit gibt es nicht.
  9. Ignorieren Sie Appelle an Ihre Eitelkeit. Quacksalber rufen ihr Publikum vor allem gerne dazu auf, "selbst zu denken", anstatt den kollektiven Weisheiten der Wissenschaftler-Gesellschaft zu folgen. Ein weiteres ihrer Argumente ist, dass ein Heilmittel, dessen Wirksamkeit bei anderen Menschen noch nicht festgestellt werden konnte, bei Ihnen sehr wohl wirken könne.
  10. Lassen Sie ihr Urteilsvermögen nicht durch Verzweiflung trüben! Wenn Sie den Eindruck haben, dass sich Ihr Arzt nicht genug bemüht, oder wenn Sie erfahren haben, dass Ihre Krankheit unheilbar ist und diese Tatsache nicht widerstandslos akzeptieren können, kommen Sie bei ihrer verzweifelten Suche nach einer Lösung nicht vom Weg der wissenschaftlichen Heilkunst ab. Sprechen Sie statt dessen mit Ihrem Arzt über Ihre Gefühle und ziehen Sie die Möglichkeit in Erwägung, einen anerkannten Experten aufzusuchen.

Die Liste des arznei-telegramms

Der Verdacht auf Scharlatanerie bzw. Quacksalberei wird umso wahrscheinlicher, je mehr der folgenden Beschreibungen zutreffen.

Eine Methode bzw. ein Produkt:

  1. wird durch Hinweis auf exotische Herkunft (Regenwald, Himalaya u.a.) interessant gemacht,
  2. soll Heilung bringen, wenn Schulmedizin in auswegloser Situation versagt,
  3. soll durch umfangreiche Erfahrungen "untermauert" sein, ohne dass nachvollziehbare Daten aus kontrollierten klinischen Studien zugänglich gemacht werden,
  4. soll gegen eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen, die nichts miteinander zu tun haben, universell wirksam sein,
  5. soll regelmäßig zum Erfolg führen, wobei Misserfolge der Schulmedizin angelastet werden,
  6. ist an einzelne Personen beziehungsweise Institutionen gebunden, die die Therapie entwickelt haben und daran verdienen (extrem hohe Preise),
  7. soll keine Nebenwirkungen haben oder die Nebenwirkung von Verfahren der Schulmedizin reduzieren oder aufheben,
  8. ist kompliziert (strenge Diätvorschriften, komplizierte Anwendungsrichtlinien u.a.), so dass Misserfolge auf Anwendungsfehler zurückgeführt werden,
  9. soll schon seit Jahren/Jahrzehnten verwendet werden, ohne offiziell anerkannt zu sein,
  10. ist den Behauptungen zufolge so gut, dass unverständlich bleibt, warum keine Zulassung als Arzneimittel existiert.

Psiram-Ergänzungen

  • Aufdringliches name dropping durch Nennung von bekannten Personen oder scheinbaren Autoritäten, die angeblich die entsprechende Hypothese stützen.
  • Die Erfinder (meist Einzelforscher und sogenannte Privatgelehrte) und hartnäckigen Befürworter schmücken sich gerne mit fragwürdigen oder käuflich erworbenen akademischen Titeln von Title-mills und fälschen gerne ihr Curriculum. Produkte aus dem quacksalberischen Bereich werden häufig mit Betonung der akademischen Grade ihrer Befürworter oder Erfinder beworben.
  • Entsprechende fragliche Produkte sind häufig chemisch ungenau definiert, ihre Zusammensetzung wird laufend verändert.
  • Der 'Arznei' wird eine intelligente, auswählende Wirkung zugeschrieben. Etwa bei den Schwedenkräutern nach Maria Treben: "Was zuviel ist, lindern sie und was zuwenig ist, ergänzen sie".
  • Nennung nicht überprüfbarer Verschwörungstheorien um eine angebliche Unterdrückung des Mittels durch staatliche Einrichtungen und im Untergrund agierende heimliche Machthaber, Illuminaten, Reptiloiden und Bilderberger (Beispiele: Germanische Neue Medizin, Miracle Mineral Supplement).
  • Nach dem Tode des Erfinders nimmt das Interesse an der Methode stark ab oder die Methode gerät quasi in Vergessenheit.
  • Sehr hohe Preise für Mittel, die gleichzeitig im Chemikaliengroßhandel oder als Import aus osteuropäischen Ländern oder Asien zu niedrigen Preisen erhältlich sind.
  • Verwendung ungewöhnlicher und/oder verwirrender oder völlig wertloser Einheiten bei Messergebnissen. So ist die esoterische Einheit Bovis nicht exakt definiert und kann beliebig verwandt werden. Auch ist bei pseudowissenschaftlichen Argumentationsversuchen mitunter der Versuch zu beobachten, Messwerte durch überflüssige Verwendung von Multiplikatoren oder Divisoren für Laien als größer oder kleiner erscheinen zu lassen: Missbrauch von Einheitenvorsätzen. (Beispiel: Anders Bruun Laursen).

Speziell bei so genannten Kaffeefahrten, beim Versand über das Internet und allen Formen des Multi-Level-Marketings sollten auch folgende Kriterien beachtet werden[3]:

  • Der Text sieht aus wie ein Beitrag der Zeitung, oben rechts oder links steht jedoch das kleine Wörtchen "Anzeige". Eine Anzeige dient allein der Werbung. Durch die Gestaltung des Textes soll nahegelegt werden, dass es sich um einen ganz normalen Artikel handelt, in dem objektiv berichtet wird.
  • Das Produkt hilft angeblich gleichzeitig bei mehreren verschiedenen Krankheiten und Beschwerden schnell und sicher. Kein einziges Produkt wirkt aber z.B. sowohl gegen AIDS, Demenz, Multiple Sklerose oder Neurodermitis. Ziel ist einzig und allein, viele Patienten gleichzeitig anzusprechen.
  • Es wird mit Fallgeschichten geworben, in denen "geheilte" Patienten - Menschen wie du und ich - schildern, wie das Produkt bei ihnen angeblich die erstaunlichsten Erfolge erzielt hat. Eine solche Werbung mit Krankheitsgeschichten ist nach dem Gesetz verboten. Aus gutem Grund, da solche Einzelfälle die niedrigste Aussagekraft haben, denn für jeden Erfolg werden viele Misserfolge verschwiegen.
  • Das Produkt hat angeblich keine Nebenwirkungen. Ein solches Produkt steht im Verdacht, überhaupt keine Wirkung zu haben. Jeder Mensch ist anders - bei dem einen tritt eine stärkere Wirkung auf, bei dem anderen gar keine, genauso ist es bei den Nebenwirkungen. Jedes wirksame Arzneimittel hat nicht nur eine Hauptwirkung, sondern oft auch Nebenwirkungen, die sich aber nicht bei jedem zeigen müssen. Nebenwirkungen komplett auszuschließen, ist in jedem Fall unseriös.
  • Das Produkt soll von Experten, meist Professoren namhafter Universitäten aus den USA, getestet und entwickelt worden sein, die sich ganz begeistert von den erzielten Ergebnissen zeigen. Für einen Professor sind Veröffentlichungen in einer Fernsehzeitschrift oder im Boulevard nicht der geeignete Weg, auf seine Arbeit aufmerksam zu machen. Oft handelt es sich um nicht existierende Personen oder sie wissen oft genug gar nichts von einer Anzeige mit ihrem Namen.
  • Es wird behauptet, das Produkt sei exklusiv oder nur für kurze Zeit erhältlich. Durch einen Einführungspreis oder einen Rabatt für große Abnahmemengen wird der Eindruck einer einmaligen Gelegenheit vermittelt. Damit soll ausschließlich ein Entscheidungsdruck aufgebaut werden, damit der Kunde kauft, ohne lange nachzudenken. Ein wirklich erfolgreiches Präparat wird immer verfügbar sein.
  • Der Text ist in einer (pseudo-)wissenschaftlichen Sprache mit vielen Fremdwörtern gehalten. Ein solcher Text dient allein dazu, den Leser zu beeindrucken und soll ihn davon abhalten, das Gelesene kritisch zu hinterfragen.
  • Das Produkt wird als "Wundermittel", als "wissenschaftlicher Durchbruch" oder als wieder entdecktes Volksmittel einer alten Kultur bezeichnet. Wundermittel gibt es nicht und gab es auch nicht in alten Zeiten in keiner Ecke der Welt. Ansonsten ist die Frage berechtigt, warum dieses Volk den Vorteil ewiger Gesundheit nicht bis heute genutzt hat.
  • Eine Zulassung als Arzneimittel wird nicht erwähnt und liegt in der Regel auch nicht vor. Geht man aber aktiv auf den Hersteller zu und fordert eine Zulassung ein, wird man ihn häufig gar nicht erreichen. Aber allein die Zulassung als Arzneimittel gibt die Sicherheit, dass das Produkt tatsächlich wirksam ist und keinen Schaden anrichtet. Die oft zu lesende Behauptung, dass die Schulmedizin bzw. die Pharmaindustrie das völlig neuartige Produkt aus Profitgier verhindern wolle, ist völlig aus der Luft gegriffen.
  • Der Anbieter verspricht eine "Geld-zurück-Garantie". Eine solche "Garantie" soll den Kunden jedoch allein dazu verleiten, im Gefühl falscher Sicherheit zu bestellen, denn scheinbar kann er ja nichts falsch machen. Aber auch wenn das Produkt nicht wirkt, wird es kaum jemand wirklich zurücksenden. Und wenn doch, dann muss man sich auch bei einer Geld-zurück-Garantie auf einen langen Kampf ums Geld einstellen.

Siehe auch

Weblinks

Anderssprachige Psiram-Artikel

Quellennachweise

  1. http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0310_b.php3 arznei-telegramm 10/03
  2. http://www.drugstoremuseum.com/sections/level_info2.php?level_id=40&level=2
  3. http://www.beratungistdiebestemedizin.de/index.php?neloh=S0108113&step=1