Vitalfeldtherapie

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Vitalfeldtherapie ist ein von der Firma Vitatec Products AG aus Baar in der Schweiz verwendeter Name für ein pseudomedizinisches Konzept, das nach eigener Aussage der so genannten Energiemedizin zuzuorden ist. Dafür produziert Vitatec ein Diagnosegerät namens Global diagnostics und ein Behandlungsgerät, das MitoPlus heißt. Bei der Diagnostik bestehen Ähnlichkeiten zur Bioresonanztherapie. Kernpunkt der Methode ist das angebliche Problem eines "Energiemangels", wobei der Begriff "Energie" nicht näher definiert wird. Mit der Vitalfeldtherapie werde dem Patienten diese fehlende Energie in Form von elektromagnetischer Strahlung, die einer natürlichen Strahlung nachgebildet sei, wieder zugeführt.

Angebliches Prinzip

Die Vitalfeldtherapie beruhe auf der Entdeckung, "dass ein Großteil des Energiebedarfs des Menschen über natürliche elektromagnetische Strahlung (und nicht über die Nahrung) gedeckt wird". Ähnliche Aussagen werden auch z.B. von Ulrich Warnke verbreitet. Vitatec-Geräte sollen es erstmals ermöglicht haben, "therapeutisch wichtige Teile der natürlichen Umgebungsenergie über einen extrem großen Frequenzbereich messbar nachzubilden und dem Patienten zuzuführen."

Die behauptete Entdeckung ist der wissenschaftlichen Medizin nicht bekannt. Wenn man unter "Energie" den physikalischen Energiebegriff verstünde, wie er auch in den Ernährungswissenschaften angewendet wird, würde sich das Vitalfeld-Konzept auch sofort als offenkundiger Unsinn entpuppen, denn der Mensch deckt seinen Energiebedarf nicht aus elektromagnetischer Strahlung. Vitatec folgt daher dem Muster der Esoterik, eine Erklärung, was mit Energie gemeint ist, zu vermeiden, behauptet aber gleichzeitig in typisch pseudowissenschaftlicher Manier, dass es sich um eine messbare Größe handele.

Die Geräte sollen in einem Frequenzbereich von unter 1 Hz bis über 100 GHz arbeiten. Die Firma Vitatec versucht somit den Eindruck zu erwecken, dass eine natürliche elektromagnetische Strahlung existiere, die zudem physiologisch wirksam und für den menschlichen Körper wichtig sei. Im genannten Frequenzbereich dominiert jedoch Strahlung künstlichen Ursprungs. Etwaige natürliche Strahlungskomponenten sind schwach und nur mit vergleichsweise hohem Aufwand nachweisbar.

Diagnose mit Global Diagnostics

Global Diagnostics
Studie von Martie Truschnig-Wilders (MedUni Graz)

Hierbei werden an beiden Füßen des liegenden Patienten zwei Elektroden angebracht. Wie bei vielen anderen Methoden aus diesem Spektrum werden von einem angeschlossenen Computer durch Messungen Daten erhoben, die durch eine Software auf nicht offenbarte Weise Erkenntnisse über 540 "Messobjekte" liefern sollen, das seien "Nerven, Muskeln, Gewebe, Organe, Körperfunktionen etc., von denen Frequenzspektren bekannt sind".[1] Was unter einem "Frequenzspektrum" etwa der weiblichen Brust oder der Luftröhre (diese Körperteile werden als Beispiele genannt) zu verstehen ist, wird nicht mitgeteilt. Die Messung dauere 8 Minuten, laut Werbung würden dabei "wissenschaftliche, ganzheitliche, osteopathische und empirische Daten verarbeitet". Die errechneten Werte werden in Form von Bildern auf einem Computermonitor dargestellt und sollen dazu geeignet sein, Diagnosen zu stellen und über einen der wissenschaftlichen Medizin nicht bekannten "bioenergetischen Zustand" Aufschluss geben.

Beworben wird die Methode von der habilitierten österreichischen Ärztin Martie Truschnig-Wilders (1949), die am Universitätsklinikum der Medizinischen Universität Graz tätig ist. Truschnig-Wilders, die sich auch als Spezialistin für Ohrakupunktur, Amalgamausleitung und andere pseudomedizinische Konzepte versteht,[2] behauptete 2007, die Versprechungen zur Methode bestätigt zu haben. Die Studie trägt den Briefkopf der Medizinischen Universität Graz.[3] Zitat daraus:

"Besonders beachtenswert ist das bisher nicht genannte Potential dieser bioenergetischen Untersuchung. Sie kann Hinweise geben auf versteckte oder gerade beginnende pathologische Prozesse, die mit schulmedizinischen Methoden noch nicht erkennbar sind."

Die nichtrandomisierte retrospektive Fallstudie hat keine Aussagekraft, da bei der Global Diagnostic-Untersuchung die Patienten vorab über Beschwerden Auskunft geben sollen. Diese Angaben werden sodann zur "Diagnose" mit verwendet.[4]

Therapie

Zur angeblichen Zufuhr der benötigten Energie dient aktuell das Gerät MitoPlus (ein Vorläufer hieß MitoSan). Es erzeuge "Frequenzspektren von kleiner 1 Hz bis mehr als 120 GHz". Am Gerät angeschlossen sind mattenförmige Elektroden, die Vitatec "Biotroden" nennt. Die Behandlung findet im Liegen statt; der Patient liegt auf den Biotroden bzw. die Biotroden werden auf bestimmten Körperpartien platziert.

Ergänzungen

Zu den Geräten für die Vitalfeldtherapie war eine Zusatzapparatur namens DigiSoft erhältlich, mit der sich (homöopathische Substanzen) "digitalisieren" lassen sollen. Eine solche Möglichkeit wird auch von vielen anderen Anbietern von Bioresonanz-Varianten und Radionik-Geräten behauptet. Bei Vitatec war von einer "bioenergetischen Spektralanalyse" die Rede und einem Frequenzbereich von 1 Hz bis 100 MHz. Mit dem MitoSan-Gerät und den angeschlossenen "Biotroden" sollten die "Frequenzmuster" dann auf den Patienten übertragen werden können.

Anwendungsbereiche

Die nicht näher erläuterte Zufuhr von angeblich der Natur nachgebildeten elektromagnetischen Signalen sei "die beste Abhilfe bei Erschöpfung oder Reaktionsstarre". Auch könnten damit "Therapieblockaden" behoben werden und durch eine solche "Frequenztherapie" werde die Genesung des Körpers und eine Entgiftung unterstützt. Als Anwendungsgebiete werden genannt: Beschwerden nach Impfungen, Gelenk- und Wirbelsäulenbeschwerden, akute und chronische Schmerzzustände und Entzündungen, Neurodermitis, Akne, Burn-out-Syndrom, Chronisches Müdigkeitsyndrom, Allergien aller Art (Heuschnupfen, Asthma bronchiale, etc.), Infektanfälligkeit, Migräne, "Narbenstörfelder", Belastungen durch Umweltgifte, Belastungen durch Pilze, Viren, Bakterien.

Die Methode wird vor allem von Heilpraktikern angeboten. Die Kosten für eine Behandlung liegen bei 80 bis 150 Euro einschließlich "Global-Diagnostics"-Diagnose. Eine alleinige "Mitosan"-Therapie, die zwischen 10 Minuten und 1 Stunde dauern könne, soll rund die Hälfte kosten. Zur Häufigkeit der Behandlungen finden sich Angaben der Art, dass bei "akuten Krankheitsbildern wie Infekten" 1 bis 3 Behandlungen ausreichend seien. Bei chronischen Erkrankungen wird eine Behandlung einmal pro Woche über mehrere Monate empfohlen.

Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen, da keine wissenschaftlichen Nachweise einer medizinischen Wirksamkeit vorliegen.

Andere Produkte von Vitatec

Optisan

Mit Optisan war ein Gerät im Programm, das aus Leuchtdioden unterschiedlicher Farbe besteht. Von solchen Anordnungen werden verschiedentlich therapeutische Wirkungen behauptet (siehe z.B. Farblichttherapie oder die Entwicklungen des Elektronikers Dieter Jossner). In der Vitatec-Werbung war dazu von "optischer Frequenztherapie" die Rede. Die Lampe eigne sich zur Behandlung vieler chronischen Erkrankungen, Allergien, Übersäuerung, "Wirbelsäulenblockaden", Entzündungen, Hauterkrankungen und zur "Narbenentstörung" und wirke "abschwellend, beruhigend, entkrampfend, entzündungshemmend, regenerationsfördernd, schmerzlindernd und verspannungslösend" und dies nebenwirkungsfrei. Laut einer Patentanmeldung zum Gerät[5] sei das Licht der Lampe gepulst, und zwar je nach gewähltem Bestrahlungsprogramm mit Frequenzen von 1,85 Hz bis etwa 40 kHz, die sich "als besonders wirksam herausgestellt" haben sollen.

Entwickler Siegfried Kiontke

Entwickelt werden die Geräte von dem promovierten Physiker und Direktor der Vitatec Products AG Siegfried Kiontke, der seine Vorstellungen auch durch Vorträge und im Selbstverlag erschienene Bücher verbreitet. Kiontke ist Anhänger der Konzepte des Global Scaling und der Morphogenetischen Felder, er bestreitet eine von Menschen beeinflusste Klimaänderung [6] und sympathisiert mit AIDS-Leugnern [7]. Als "Operierender Thetan" (OT VIII) ist Kiontke hochrangiges Scientology-Mitglied.[8]

Quellen

  1. Reinhold D. Will: Neuerungen in der bioenergetischen Medizin. Naturheilpraxis 11/2007
  2. http://www.truschnig.at/spezialisierungen.php
  3. Truschnig-Wilders M, Viehweger R, Heinrich R: Übereinstimmung von bioenergetischen Messungen mit „Global Diagnostics“ und medizinischen Diagnosen (ohne Datum). Autoren: Univ. Prof. Dr. Martie Truschnig-Wilders, Fachärztin für Immunologie und für chemische und medizinische Laboratoriumsdiagnostik, Universitätsklinikum Graz, Auenbruggerplatz 15, 8036 Graz, Österreich. Dr. Rainer Viehweger, Facharzt für Orthopädie, Lindenstr. 4a, 19230 Hagenow-Viez, Deutschland. Dr. Ralf Heinrich, Arzt, Schloßstr. 26, 12163 Berlin, Deutschland.
  4. Angabe des Herstellers Vitatec zur Durchführung der GD-Untersuchung
  5. EP 1518585 B1: Medizinisch-therapeutisches Bestrahlungsgerät mit einer Mehrzahl von Leuchtmitteln. Anmelder/Inhaber/Erfinder: Kiontke, Siegfried, Dr. Anmeldedatum: 24.09.2004. Patent erteilt: 18.04.2007. Patent erloschen: 01.04.2011
  6. Siegfried Kiontke: Physik biologischer Systeme: Die erstaunliche Vernachlässigung der Biophysik in der Medizin. Kiontke, Dr. Siegfried, 2006
  7. Siegfried Kiontke, Mechthild Rex-Najuch, Hartmut Horn: Betriebstemperatur 37° Celsius: Die faszinierenden Wechselwirkungen menschlicher Körpersysteme. Kiontke, Dr. Siegfried, 2007
  8. http://www.truthaboutscientology.com/stats/by-name/s/siegfried-kiontke.html