Resveratrol

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Resveratrol

Resveratrol ist ein Pflanzeninhaltsstoff, der als weißer Feststoff antioxidative Effekte zeigt und zu den Polyphenolen gezählt wird.

Was diese Substanz interessant macht, ist ihre hohe Konzentration in der Schale von Weintrauben. Mit einem Gehalt von bis zu 100mg/g entspricht dies einem recht hohen Anteil an ihrer eigentlichen Biomasse. Gewonnen wird das Derivat des Stilben, Resveratrol, aus Weintrauben (rote Trauben). Zu finden ist die Substanz allerdings auch in Himbeeren, Maulbeeren, Pflaumen, Erdnüssen und im japanischen Staudenknöterich.

Vermarktung als Nahrungsergänzungsmittel

French Paradox als Grundlage

Der Hauptgrund warum Resveratrol in das Interesse von Medien, Produzenten und Konsumenten rückte, ist das sogenannte French Paradox.

Ausgangslage ist die Beobachtung, dass in Frankreich die Häufigkeit von Herzinfarkten um bis zu 40 % niedriger ist als in anderen europäischen Ländern. Dies führte zur Veröffentlichung von über 100 Arbeiten, in denen postuliert wurde, dass Resveratrol für diesen Effekt verantwortlich sei. Die außerordentlich intensive Forschungstätigkeit ist aber zu einem großen Teil den massiven wirtschaftlichen Interessen der Weinindustrie und den Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln geschuldet. Dort wurden diese Arbeiten teilweise mitfinanziert, so dass sie als dementsprechend motiviert zu sehen sind.

Situation am Markt

Derzeit sind viele Produkte auf dem Markt, die entweder reines Resveratrol und/oder andere resveratrolhaltige Schalen enthalten.

Angeboten wird z.B. isoliertes Resveratrol in den USA als Nahrungsergänzungsmittel. Resveratrol ist auch Bestandteil von Ko-jo-kon, einem Heilmittel fernöstlicher Herkunft. Hersteller vermarkten Resveratrol auch als red wine extract und als French Paradox, da laut einer Hypothese die vermehrt weintrinkenden Franzosen gesundheitliche Vorteile vom Weingenuss hätten. In Rotwein findet sich Resveratrol in einer sehr variablen Konzentration von ca. 30 bis 50 mg/l. Trauben, die in höheren Breitengraden angebaut werden, scheinen mehr Resveratrol zu enthalten als Trauben, die weiter südlich angebaut werden (bis zu 100mg/g). Im Traubensaft ist der Gehalt allerdings wesentlich niedriger, da die Verbindung hier nur als Glykosid vorliegt.

Seit den 1990ern wird Resveratrol eine Wirkung als krebshemmendes Mittel, als Anti-Aging-Mittel, sowie bei Arteriosklerose, Herzkrankheiten und manchen Autoimmunkrankheiten nachgesagt. Daneben stellte sich aber auch heraus, dass es eine Wirkung als Phytoöstrogen hat und so möglicherweise Brustkrebs fördern könne. Außerhalb von Botanikerkreisen wurde die Substanz durch die Studien des US-Forschers David Sinclair bekannt, der 2003 in Nature berichtete, dass Resveratrol die Lebensspanne der Bierhefe Saccharomyces cerevisiae deutlich verlängert. Es hatte dort die gleiche Wirkung wie ein Kalorienentzug, dem ebenfalls eine lebensverlängernde Wirkung zugeschrieben wird. Sinclair geriet jedoch in die Kritik, als sich herausstellte, dass er "finanzielle Interessen" an positiven Ergebnissen einer Resveratrol-Studie hatte. Er hatte gemeinsam mit Kollegen die Firma Sirtris Pharmaceuticals gegründet, die wissenschaftliche Erkenntnisse vermarkten soll.

Studienlage

Der weitaus größte Teil der Untersuchungen zu Resveratrol sind in-vitro Studien (im Reagenzglas) und Ergebnisse aus Tierversuchen vor. Im Jahre 2011 kam eine Übersichtsarbeit (review) zum Ergebnis, dass die Studienlage nicht ausreiche, um für Menschen eine Empfehlung auszusprechen, sich mehr Resveratrol zuzuführen, als dies bereits über eine übliche Nahrung geschehe: "... the published evidence is not sufficiently strong to justify a recommendation for the administration of resveratrol to humans, beyond the dose which can be obtained from dietary sources."[1]

Eine in Wien durchgeführte Interventionsstudie, bei der die Teilnehmer 6mg Resveratrol/Tag, in Form eines Nahrungsergänzungsmittels konsumierten, fand keinerlei Hinweise auf schützende Wirkung bei DNA -Schäden oder auf sonst relevante antoxidative Parameter.[2] Eine zweite Studie von einer Arbeitsgruppe aus Ungarn kam zu einem anderen Ergebnis. Bei einer Untersuchung wurde den Teilnehmern über einen Zeitraum von vier Wochen eine Dosis von 2x 5mg/Tag zugeführt. Es wurde berichtet, dass Erkenntnisse zum Schutz vor oxidativem Stress sowie beim Verhalten bei der Entwicklung einer Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetikern beobachtet wurde. Allerdings sind die bei der Untersuchung eingesetzten Marker (Ortho-Tyrosin im Harn) unspezifisch und werden in dem Kontext sehr selten eingesetzt.([3]

Es existieren auch Humanstudien, bei denen mit Resveratrol-haltigen Lebensmitteln wie Rotwein gearbeitet wurde. In einer spanischen Interventionsstudie konsumierten die Teilnehmer über 7 Tage 300 ml Rotwein/Tag. Es wurde ein Anstieg bestimmter Enzyme gemessen, die für die Deaktivierung von reaktiven Sauerstoffspezies (->oxidativer Stress) verantwortlich sind.[4] Die medizinische Relevanz solcher Ergebnisse wird intensiv diskutiert.

Große Aufmerksamkeit erhielt eine Arbeit des Cedars-Sinai-Medical-Center in Los Angels zum Thema Brustkrebs und Hormonstatus. Dort wurde über eine Veränderung des Hormonstatus berichtet, nachdem die Frauen über einen Zeitraum von 4 Wochen 237 ml/Tag Rotwein konsumiert hatten. Die Vergleichsgruppe trank nur Weißwein. Auf Basis dieser Befunde folgerten die Forscher, dass der Rotweinkonsum vor Brustkrebs schützen könnte. Begründet wurde dies mit der Hemmung bestimmter Zytochrom-Enzyme, die maßgeblich mit der Entwicklung von Brustkrebs assoziert sind.[5] Die Veröffentlichung und die Deutung der Ergebnisse führten allerdings zu heftigen Reaktionen in der Fachwelt.

Datenfälschungen an der University of Connecticut

2012 wurde bekannt, dass der an der University of Connecticut beschäftigte Chirurg und Resveratrol-Forscher Dipak K. Das in größerem Umfang Daten verfälschte und "fabrizierte" und diese publizierte.[6][7] Nach zweijährigen Ermittlungen einer Untersuchungskommission steht fest, dass Das insbesondere fotografische Aufnahmen von Western-Blot-Tests nachträglich bearbeitet hatte. Vier verschiedene Fachzeitschriften zogen insgesamt zwölf seiner Arbeiten daraufhin zurück.[8] Der "red wine researcher" und Ernährungsmedizin-Anhänger Das[9] gilt als einer der bekanntesten Befürworter von Resveratrol und publizierte Fachartikel, die die positiven Eigenschaften von Resveratrol belegten oder belegen sollten. 117 Veröffentlichungen von Das beziehen sich auf Resveratrol.[10]

Weblinks

Quellennachweise

  1. Vang O et al "What is new for an old molecule? Systematic review and recommendations on the use of resveratrol". PloS One 6(6): e19881. doi:10.1371/journal.pone.0019881, 2011 [1]
  2. Heger A, Ferk F, Nerseyan A et al. Intake of Resvertrol containing dietary supplement...., Mutat Res. 2012, 749:82-86
  3. siehe Quelle 2
  4. Noguer MA, Cerezo Ab et al. Intake of alcohol-free red Wine modulates antioxidant enzymes activity.... Pharmacol Res. 2012, 609-614
  5. Shufelt C, Merz CN, Yang Y et al. Red versus White wine as a nutritional aromatase inhibitor in premopausal Woman...., Womens Health 2012, S. 281 -284
  6. http://retractionwatch.wordpress.com/2012/01/11/uconn-resveratrol-researcher-dipak-das-fingered-in-sweeping-misconduct-case/
  7. http://www.cbsnews.com/8301-504763_162-57357720-10391704/red-wine-researcher-dr-dipak-k-das-published-fake-data-uconn/
  8. http://retractionwatch.wordpress.com/2012/06/04/retraction-count-for-resveratrol-researcher-dipak-das-rises-to-12/
  9. http://www.functionalfoodscenter.net/files/35819948.pdf
  10. http://www.nytimes.com/2012/01/12/science/fraud-charges-for-dipak-k-das-a-university-of-connecticut-researcher.html