Michael Werner

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Michael Werner (geb. 1949, Braunschweig) ist ein deutscher promovierter Chemiker, früherer Chemielehrer an einer Waldorfschule, Autor und Anthroposoph. Werner ist internationaler Vortragsredner über das Thema Lichtnahrung und Breatharianismus. Werner behauptet seit Jahren nahrungslos zu leben. Eine wissenschaftliche Untersuchung widerlegte dies.

Kurzbiografie

Michael Werner wurde 1949 in Braunschweig geboren, wuchs aber wohl in der Schweiz (in der Nähe von Basel) auf. Werner studierte Chemie und arbeitete zunächst in Südafrika für ein Chemieunternehmen. Danach folgte eine Tätigkeit als Chemielehrer an einer Waldorfschule in Deutschland. Derzeit ist Werner für das Schweizer Pharmaunternehmen Hiscia in Arlesheim tätig, das anthroposophische Heilmittel wie Mistelpräparate entwickelt und herstellt.

Angebliche Nahrungslosigkeit

Dieser Fruchtsaft enthält 1.340 kcal. Inklusive Schokolade und Nüssen sind es sogar 1.650 kcal

Werner behauptet, seit 2001 ohne herkömmliche Nahrung zu leben. Seine Behauptungen finden sich auch in einem mit Jo Conrad geführten Interview im verschwörungstheoretischen Projekt Secret-TV, das seinerzeit vom rechtslastigen Esoteriker Jan Udo Holey gegründet wurde. Er lebt zur Zeit in der Schweiz, wo er in Arlesheim bei Basel für das Schweizer Pharmaunternehmen Hiscia tätig ist, das Heilmittel der anthroposophischen Medizin herstellt. Der ursprünglich übergewichtige Werner gilt als so genannter Breatharianer und behauptet, seit 2001 ohne herkömmliche Ernährung auszukommen und sich allein durch Licht zu ernähren (siehe dazu auch: Sungazing). Die anthroposophische Zeitschrift info3 schenkte Werner ungeprüft Glauben.[1] Werner nahm 20 kg ab, bis sich nach einer Ernährungsänderung ein Gewicht von 68 kg einstellte. Werner behauptet auch, längere Zeit auf Flüssigkeit verzichten zu können. Gleichzeitig gibt er jedoch an, seit 2001 täglich 1,5 Liter "Flüssigkeit" und auch Kaffee zu sich zu nehmen. "Flüssigkeit" bedeutet jedoch nicht zwangsläufig kalorienfreies Wasser. In der Tat hat Werner auch zugegeben, Säfte, Wein und Sherry zu sich zu nehmen. Ausdrücklich spricht Werner in einem Interview auch von "konzentrierten Säften", die er konsumiere. Und in einem Interview sagte er: "Ich beiße schon mal bei der Pizza meiner Kinder ab, aber dabei geht es nicht um Hunger, sondern um Appetit".[2] Insofern kann vermutet werden, dass hier ein fortgesetztes Saftfasten stattfindet, das genauso kompatibel mit dem Überleben ist, wie eine übliche flüssige Ernährung oder parenterale Ernährung bei bewusstlosen oder komatösen Patienten. Fruchtsäfte können hochkalorisch sein und problemlos den täglichen Kalorien-, Mineralien- und Vitaminbedarf eines im Büro tätigen Menschen decken.

Zu einem Buch von Werner über das "Lichtfasten" schrieb der Schweizer emeritierte Psychiater Jakob Bösch das Vorwort.[3]

Studie über einen Selbstversuch widerlegt Werner

Bericht über Werner bei Secret-TV

Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat sich Werner im Jahre 2004 am Inselspital des Instituts für Komplementärmedizin der Universität Bern einer zehntägigen Untersuchung seiner angeblichen Fähigkeiten unterzogen. Beteiligt waren Peter Heusser und Ursula Wolf vom Institut für Komplementärmedizin an der Uni Bern, Hans-Martin Vonwiller vom Berner Lindenhof Hospital, Nadine Masserli vom University College in London und Kurt Laederach-Hofmann vom Inselspital in Bern. Die Kosten des Experiments soll eine "Asta Blumfeldt Stiftung" aus Dornach übernommen haben, die die Kosten als Förderung von Projekten zur Erforschung der anthroposophischen Medizin angab.[4] Die kantonale Ethikkommission Bern bewilligte die Untersuchung. Michael Werner hielt sich dabei 10 Tage lang in einem abgeschlossenen Zimmer einer Intensivstation auf und wurde täglich untersucht. Er durfte nur Wasser und ungesüßten Tee zu sich nehmen. Das Ergebnis dieser Untersuchung wurde lange Zeit nicht bekannt gemacht und erst im August 2008 wissenschaftlich veröffentlicht.[5] Einige Details der Untersuchung wurden jedoch bereits vor der Veröffentlichung bekannt und sind auch in einem seiner Bücher zu finden. Interessant ist dabei die Frage nach einer eventuellen Veränderung seines Körpergewichts während des kontrollierten Zeitraumes, in dem tatsächlich davon ausgegangen werden kann, dass keine nennenswerten Kalorien aufgenommen wurden. Da Werner angibt, seit 2001 nichts zu essen, dürfte sich sein Körpergewicht während der Zeit der wissenschaftlichen Untersuchung nicht verändert haben (von Wasserverlusten oder -aufnahmen abgesehen. Warum sollte es auch?). Aber genau dies geschah. Werner verlor während dieser Zeit 2,6 kg an Gewicht. Er erklärt den Gewichtsverlust mit der "trockenen Luft" in der Klinik.

Mit der Veröffentlichung der Arbeit wurden Werners Behauptungen als Humbug entlarvt. Von Lichtnahrung könne keine Rede sein, schreibt die Untersuchergruppe in ihrem Bericht. Zusammenfassend kommt das Expertenteam zu dem Schluss, dass

die vorliegenden Befunde zeigen, dass sich der Patient im Fastenstatus II befand und die Option, sich von Licht zu ernähren, nicht erfüllte.

Die Resultate ergaben, dass Werner von den eigenen Körperreserven gezehrt hat. Der Stoffwechselzustand, der sich aus den täglichen Blutwerten ableiten lässt, zeigte, dass ein Hungerzustand eingetreten war. Die Körperfunktionen wurden ausschließlich von den körpereigenen Fettreserven aufrecht erhalten. Unter dem Fasten kam es zu einer "persistierenden Ketonurie", also zu einem dauerhaften Auftreten übernormaler Mengen von Ketonkörpern (Acetessigsäure und β-Hydroxybuttersäure) oder Aceton im Urin, ferner einer bis zu 3-fachen Erhöhung der freien Fettsäuren im Plasma sowie einem sekundären Hyperaldosteronismus (ein Krankheitsbild, bei dem zu viel des so genannten Dursthormons Aldosteron gebildet wird). Außerdem, so die Studie, nahm die körperliche Leistungsfähigkeit des Probanden ab, obwohl er psychisch stabil blieb und selbst keine relevanten Veränderungen aufzeigte. Die Studie führt die relativ geringe Gewichtsabnahme darauf zurück, dass Werner schon vorher gefastet und der Stoffwechsel auf "Sparprogramm" umgeschaltet hatte.[6]

Werner erklärte inzwischen, dass ihn die Resultate der Studie enttäuscht haben: Ich habe nicht damit gerechnet. Gleichzeitig bestätigte er, dass er gelegentlich ein wenig Schokolade esse. Zitat Werner: Wenn man nun mit dem Finger auf mich zeigt und sagt: Der lügt, der spinnt, der betrügt, dann ist das okay, dann kann ich damit leben.[7]

Untersuchung in Prag

Werner soll auch in Prag untersucht worden sein.[8] Zu dieser Untersuchung ist öffentlich so gut wie nichts bekannt geworden, eine Publikation dazu ist bis heute (2010) unbekannt.

Energieumsatz bei Nahrungslosigkeit

Ein Mensch, der sich im Bett aufhält und wenig körperlich betätigt, benötigt am Tag etwa 2.000 kcal. In 10 Tagen wären es in Summe 20.000 kcal. 1 Gramm Körperfett entspricht 9,3 kcal. Das ergibt 20.000 kcal / 9,3 kcal/g = 2150,538 g, also etwa 2 kg. Der Gewichtsverlust von Werner ist demnach gut über eine Verstoffwechselung eigenen Körperfettes zu erklären.

Siehe auch

Literatur

  • Heusser P, Wolf U, Vonwiller HM, Messerli N, Laederach-Hofmann K., Nutrition with 'light and water'? In strict isolation for 10 days without food - a critical case study. Forsch Komplementmed. 15.8.2008 - 15(4):203-9 (Zusammenfassung auf PubMed)
  • Stöckli, Thomas: Ein Mensch, der nicht mehr isst (Bericht über Dr. Werner) Z. Das Goethanum 2002 (Nr.34-35/2002)

Werke

  • Werner, Michael und Thomas Stöckli: Leben durch Lichtnahrung – Der Erfahrungsbericht eines Wissenschaftlers, AT-Verlag, Baden und München, 2005
  • Werner, Michael: Leben durch Lichtnahrung, Live-Vortrag mit Fragenbeantwortung, HörSignale auf CD, Kandern 2005

Weblinks

Quellennachweise

  1. http://www.info3.de/ycms/printartikel_1224.shtml
  2. http://diepresse.com/home/gesundheit/541238/index.do
  3. Michael Werner, Thomas Stöckli, Jakob Bösch. Leben durch Lichtnahrung: Der Erfahrungsbericht eines Wissenschaftlers. Verlag: AT Verlag April 2005, ISBN-10: 3038002291 ISBN-13: 978-3038002291
  4. Asta Blumfeldt Stiftung, Gempenring 79, CH-4143 Dornach. Die Stiftung gibt als Zweck die Förderung von Projekten zur Erforschung der anthroposophischen Medizin an.
  5. Heusser P, Wolf U, Vonwiller HM, Messerli N, Laederach-Hofmann K., Nutrition with 'light and water'? In strict isolation for 10 days without food - a critical case study. Forsch Komplementmed. 15.8.2008 - 15(4):203-9 (Zusammenfassung auf PubMed)
  6. http://www.bazonline.ch/panorama/vermischtes/Studie-entlarvt-Schweizer-Lichtesser/story/10205690

    Studie entlarvt Schweizer Lichtesser
    Von Hugo Stamm. Aktualisiert am 25.10.2008

    Dieses «Light-Menü» ist unbekömmlich: Eine neue Studie räumt mit dem Mythos auf, dass man sich ausschliesslich von Licht ernähren kann.

    Lichtnahrung

    Die Idee von der Lichtnahrung setzte das Medium Ellen Greve mit dem Geistnamen Jasmuheen in die esoterische Welt. Heute distanziert sich die Australierin von ihrem Lichtnahrungsprozess, den Tausende Esoteriker absolviert haben. Der Grund: Mehrere Lichtesser haben die Kur (7 Tage ohne Flüssigkeit) nicht überlebt. Jasmuheen behauptet, sie selbst nehme seit 1993 keine Nahrung mehr zu sich. Bei einem Test brach die begleitende Ärztin den Versuch aber ab, weil Jasmuheen gefährlich ausgetrocknet war und rasch an Gewicht verloren hatte. Der ehemalige Basler Chefarzt Jakob Bösch propagiert das Lichtessen heute noch. (sta.)

    Der Anthroposoph Michael Werner verkauft sich als biologisches Wunder. Bei Fernsehtalks wie «Aeschbacher» und Interviews erklärt er unermüdlich, sich seit sieben Jahren nur von Licht zu ernähren. Auch Flüssigkeit brauche er nicht zwingend. Trotzdem verliere er kein Gewicht und fühle sich sehr vital. Er lebe von einer spirituellen oder ätherischen Energie, dem Prana. Hinweise für das Phänomen fand er auch bei Rudolf Steiner, dem Gründer der Anthroposophie.

    Werner wollte beweisen, dass er ausschliesslich von Licht lebt. 2004 machte er in einem überwachten Spitalzimmer einen Selbstversuch, den die Kantonale Ethikkommission Bern bewilligt hatte. Der Chemiker ass zehn Tage lang keinen Bissen, trank aber ungesüssten Tee. Seine Körperfunktionen wurden permanent überwacht. Über seine Erfahrungen schrieb er 2005 das Buch «Leben durch Lichtnahrung». Darin erklärt Werner, man müsse darauf vertrauen, dass Licht als Entsprechung kosmischer Liebe alle materialistischen Verkrustungen aufbrechen könne.

    Vernichtende Resultate

    Eine Expertengruppe entlarvte diese Vorstellung soeben als Humbug. Von Lichtnahrung könne keine Rede sein, schreibt sie in ihrem Bericht. Die Resultate ergaben, dass Werner von den eigenen Körperreserven gezehrt hat. Der Stoffwechselzustand, der sich aus den täglichen Blutwerten ableiten lässt, zeigte, dass ein Hungerzustand eingetreten war. Die Körperfunktionen wurden ausschliesslich von den körpereigenen Fettreserven aufrechterhalten. Werner hat 2,6 Kilogramm abgenommen. Die Studie führt die relativ geringe Gewichtsabnahme darauf zurück, dass Werner schon vorher gefastet und den Stoffwechsel auf Sparprogramm umgeschaltet hatte.

    Auch die körperliche Leistungsfähigkeit nahm während des Selbstversuchs ab.

    Werner erklärt, dass ihn die Resultate der Studie enttäuscht haben: «Ich habe nicht damit gerechnet.» Sie sei falsch angelegt worden, schliesslich ernähre er sich immer noch von Licht. Gleichzeitig bestätigt er, dass er gelegentlich ein wenig Schokolade esse. «Wenn man nun mit dem Finger auf mich zeigt und sagt: Der lügt, der spinnt, der betrügt, dann ist das okay, dann kann ich damit leben.»

    Bouillon statt Licht

    Tatsächlich geben die meisten Lichtesser zu, dass sie kalorienhaltige Flüssigkeiten wie Bouillon oder Fruchtsäfte trinken. Wer seinen Körper auf Diät setzt, kann mit wenigen Kalorien überleben, wie Studien zeigen.

    Beteiligt am Experiment war auch Peter Heusser, zuständig für Komplementärmedizin an der Uni Bern. Heusser hält das Phänomen des Lichtessens grundsätzlich für möglich, ist aber über das Resultat der Studie nicht enttäuscht. Streng wissenschaftlich könne man ja nur sagen, dass das Experiment unter den gegebenen Bedingungen nicht funktioniert habe. Heusser stellt die Glaubwürdigkeit von Werner infrage. Den Lichtnahrungsprozess hält er trotzdem für unverantwortlich.

    Die Untersuchungen haben zweifelsfrei ergeben, dass der menschliche Organismus keine Kalorien aus Luft und Licht beziehen kann. Fazit der Studie: Wer den Lichtnahrungsprozess über längere Zeit durchführt, verhungert.

    Tages-Anzeiger 25.10.2008, 13:33 Uhr
  7. http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Studie-entlarvt-Schweizer-Lichtesser/story/10205690
  8. www.saez.ch/pdf_d/2010/2010-38/2010-38-827.PDF