Knoblauch

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Knoblauch (Allium sativum) ist eine Spezies aus der Familie der Lauchgewächse (Alliaceae), deren Knollen und daraus hergestellte Präparate, meist in Form von Kapseln, zur Vorbeugung von Arteriosklerose angeboten werden. Knoblauch ist eine Kulturpflanze und gelangte aus den Steppengebieten Zentral- und Südasiens über das Mittelmeer nach Europa; der Wildtyp gilt als ausgestorben.

Inhaltsstoffe

Die Inhaltsstoffe von Knoblauch sind die Aminosäure L-Alliin und das Enzym Alliinase, das aus Alliin den Wirkstoff Allicin freisetzt. Die Inhaltsstoffe wirken antimikrobiell. Darüber hinaus ist Knoblauch auch eine wichtige Selenquelle[1].

Die ausgeprägten biologischen Eigenschaften von Knoblauch sind schon lange bekannt und gut erforscht. Die antioxidativen Eigenschaften beruhen auf der Wirkung von schwefelhaltigen Molekülen wie Ajoen und Allicin; diese Substanz reagiert in einem sehr breiten Spektrum als Radikalfänger (Scavenger). Die Frage, ob roher oder gekochter Knoblauch gesünder ist, kann derzeit nicht abschließend beantwortet werden, da in beiden Varianten relevante biologische Aktivitäten stattfinden.

Medizinische Anwendungen

Knoblauch ist ein beliebtes Gewürz und wird auch als Heilpflanze verwendet. Er soll den Cholesterinspiegel senken, die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen und damit dessen Fließeigenschaften verbessern sowie einen erhöhten Blutdruck vermindern.

Diese Indikation resultiert aus epidemiologischen Untersuchungen, nach denen Bevölkerungen, die traditionell viel Knoblauch verzehren, seltener von den Folgen verkalkter Gefäße betroffen sind. Doch bislang gibt es keine Untersuchungen, die der Frage nachgegangen sind, ob der Verzehr von Knoblauchpräparaten die Herzinfarkt- oder Schlaganfallrate tatsächlich senkt. Bereits in den 1999 von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft verfassten Empfehlungen zur Therapie von Stoffwechselstörungen ist zum Thema Knoblauch-Präparate zu lesen: "Daten zu klinischen Endpunkten fehlen." Daran hat sich bis heute nichts geändert.[2]

Durch Ökotest wurden im Jahr 2008 die Studien zu knoblauchhaltigen Präparaten zur cholesterin-, blutfett- oder blutdrucksenkenden Wirkung ausgewertet. Die Ergebnisse waren nicht eindeutig: Die Wirkung von Knoblauchpulver war bestenfalls wenig überzeugend, für alle anderen Zubereitungen war sie nicht ausreichend erbracht. Demnach ist Knoblauchpulver bei ausreichender Dosierung von 600 bis 900 Milligramm pro Tag über eine ausreichend lange Behandlungszeit von mindestens vier Wochen geeignet, den Gesamtcholesterinspiegel lediglich geringfügig zu senken.[3]

Anwendung Pseudomedizin/Nahrungsergänzungsmittel

Neben dem vorbeugenden Effekt gegen Arteriosklerose werden dem Knoblauch von Pseudomedizinern noch zahlreiche andere gesundheitliche Wirkungen zugeschrieben. So soll Knoblauch vor vorzeitigem Altern schützen, antioxidativ wirken, Krebs vorbeugen, als ein „natürliches“ Antibiotikum gegen Bakterien, Viren, Protozoen und Pilze wirken und dabei gänzlich ohne Nebenwirkungen sein.[4]

Dem entsprechend werden Knoblauchpräparate auch intensiv beworben; auf dem Markt der Nahrungsergänzungsmittel sind reichlich Extrakte im Umlauf und werden konkret als Heilpflanze angeboten, in der Regel zu hohen Preisen. Bei Kapseln und Pulvern wird Öl genutzt, welches per Dampfdestillation gewonnen wird. Obwohl in Werbeaussagen mit "experimentell nachgewiesen" geworben wird, gilt die Wirksamkeit all dieser Präparate bei Menschen in keiner Weise als nachgewiesen. Daher ist vom Erwerb dieser Produkte abzuraten.[5]

Beispiele: Heilpflanze Knoblauch (Allium sativum)

  • experimentell nachgewiesen: senkt den Cholesterinspiegel (nur LDL-Cholesterin) und hemmt die Blutgerinnung, dadurch möglicherweise gefäßschützend; leichte keimtötende Wirkung auf Bakterien, Pilze und Viren; fördert die Verdauung
  • behauptete Effekte auf alterungsbedingte Arteriosklerose nicht eindeutig belegt
  • nicht ohne ärztlichen Rat gemeinsam mit den blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen Phenoprocoumon und Warfarin einnehmen
  • Anwendungsgebiete: Unterstützung von diätetischen Maßnahmen bei Erhöhung der Blutfettwerte, Vorbeugung von Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)[6]

In Südafrika, wo die Leugnung der HIV-Infektion als Ursache für AIDS zehn Jahre lang Dogma der Gesundheitspolitik war, wurde eine Behandlung von AIDS-Kranken mit Knoblauch, Roter Beete oder Olivenöl anstelle antiviraler Medikamente propagiert.[7]

Einstufung als Arzneimittel

Nach einem Urteil des Urteil des Europäischen Gerichtshofs (Az. C-319/05) vom 15.11.2007 sind Knoblauchpräparate kein Arzneimittel, sondern als Lebensmittel einzustufen. Als Begründung führt der Gerichtshof aus, dass das Kriterium der physiologischen Wirkung nicht für Arzneimittel spezifisch ist, sondern ebenso zu den verwendeten Kriterien für die Definition eines „Nahrungsergänzungsmittels“ gehört. Den dem Gerichtshof vorliegenden Akten war zu entnehmen, dass die „Knoblauchextraktpulver-Kapseln“, abgesehen von einem bloßen Hilfsstoff, keine Substanz enthalten, die nicht auch in Knoblauch in seinem natürlichen Zustand enthalten sind und ihre Einnahme keine zusätzlichen positiven oder negativen Auswirkungen im Vergleich zum Verzehr von Knoblauch im natürlichen Zustand hat. Um unter die Definition eines „Arzneimittels nach der Funktion“ zu fallen, muss ein Produkt jedoch die Funktion der Verhütung oder Heilung von Krankheiten besitzen. Allgemein förderliche Auswirkungen auf die Gesundheit, wie sie Knoblauch besitzt, genügen dafür nicht.[8]

Studienlage

Bei In-Vitro-Studien wird in der Regel mit Reinsubstanzen gearbeitet, in Humanstudien dagegen mit dem Verzehr von rohen oder teilweise verarbeiteten Knollen. Bei Versuchen mit Tieren wurden einige gute Ergebnisse erzielt, so wurde z.B bei Ratten mit dem Öl aus Knoblauch die Auslösung der Vorstufen zu Dickdarmkrebs verhindert.

In einer im Jahre 2004 veröffentlichten Arbeit im British Journal of Nutrition sehen die Autoren für Knoblauchpulver aber weder eine lipid- noch eine blutdrucksenkende Wirkung. Professor Edzard Ernst, Professor für Komplementärmedizin an der Universität in Exeter, Großbritannien, findet nach Auswertung von verschiedenen Studien zwar, dass Knoblauch einem Placebo hinsichtlich der Senkung des Gesamtcholesterins überlegen ist. Im gleichen Atemzug betont er jedoch den nur mäßigen Effekt und die geringe Belastbarkeit der Daten.

Eine Übersicht über Tierversuche mit Knoblauch bietet eine Arbeit aus dem Jahr 2007.[9] Die vorliegenden epidemiologischen Humanstudien sind immer geprägt von den doch sehr unterschiedlichen Aufnahmemengen und Arten der Zubereitung. Dies kann die Ergebnisse beeinflussen. Konzentriert wurde sich auf die Organ des Verdauungstaktes (Magen, Dickdarm). In einer 2007 erschienen Analyse kamen die Forscher zum dem Ergebnis, dass für Knoblauch kein Schutz vor Magenkrebs zu erkennen ist.[10] Zu einem anderen Ergebnis kamen Forscher in einer Arbeit aus dem Jahre 2011, dort wurde beim Verzehr größerer Mengen an Knoblauch ein Schutzeffekt festgestellt. Allerdings bleibt unklar, was eine größere Menge ist. Den Autoren zufolge ist beim Konsum von mind. 20g/Tag eine Reduzierung des Risikos um 10% zu erwarten.[11]. Die auslösenden Ursachen der Schutz-Effekte sind aber immer noch unklar. Bezgl. Darmkrebs wurden in Fallstudien wie auch in Kohortenstudien Schutzeffekte festgestellt.[12]

In einer chinesischen Interventionsstudie wurde gefährdeten Personen (Raucher, Krebshäufung in Familie) eine Kombination von Allicin (200 mg/Tag) und Selen (100 μg/Tag) über einen Zeitraum von fünf Jahren verabreicht. Danach wurden die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe verglichen und wurde festgestellt, dass das Krebsrisiko im gesamten um 30% gesunken war und das von Magenkrebs um 52%.[13]

Nicht so erfolgreich verlief eine weitere Studie in China mit über 3.000 Teilnehmern. Dort wurde Knoblauchextrakt oder Öl konsumiert. Zwei Wochen nach Beginn war eine Reduzierung neoplastischer Läsionen[14] zu erkennen. Am Ende der 14-jährigen Laufzeit war das Auftreten von Magenkrebs schlussendlich nur geringfügig reduziert, so dass nicht von einem signifikanten Effekt gesprochen werden konnte. [15]

Literatur

  • Knasmüller u.a, Krebs und Ernährung, Risiken und Prävention, Thieme Verlag 2014;

Weblinks

Quellenverzeichnis

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Knoblauch
  2. https://www.verbraucherzentrale.de/herz-kreislauf-gefaesse
  3. http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=40481;bernr=06;seite=00;co
  4. http://www.zentrum-der-gesundheit.de/knoblauch.html
  5. Knasmüller et al. Krebs und Ernährung 2014, Thieme; S:335
  6. http://www.meine-gesundheit.de/heilpflanzen/knoblauch
  7. http://www.sueddeutsche.de/politik/947/311867/text/
  8. http://curia.europa.eu/jcms/jcms/P_29685/
  9. Shukla J, Kalra N., Cancer chemoprrevention with garlic and ist constituents. Cancer Lett 2007; 247: 167-181
  10. Kim JY, Kwon O, Garlic intake and Cancer risk: an analysis using the Food an Druh Administration’s Evidence-based-review…….Am J Clinic Nutr. 2008; 89: 257-264
  11. Zhou Y, Zhuang W, Hu W. et al. Consumption of large amounts of allium vegetables reduces risk for gastric Cancer….. Gastroenterology 2011; 414: 80-89
  12. Giovannuci E, Rimm EB, Stampfer MJ et al. Intake of fat, meat and fiber in relation to risk of cancer in men. Cancer Research 1994; 54: 2390-2397
  13. Li H, Li HQ, Wang J, Xu HX et al. An Intervention Study of prevent gastric cancer by micro-selenium an large dosis of allitiridum, Chin. Med J.(Engl) 2004; 117: 1155-1160
  14. http://www.gesundheits-lexikon.com/Krebs/Dickdarmpolypen-Kolonadenom/Klassifikation.html
  15. Ma JL, Zhang L, Brown LM, et al. Fifteen-Year effectd of Heliobacter Pylori, garlic and vitamin treatments on gastric cancer incidence and mortality J Ntl. Cancer Inst. 2012; 104: 488-492