Chelattherapie

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Die Chelattherapie ist ein umstrittenes Verfahren, das als Heilverfahren für verschiedenste Indikationen angepriesen wird. Dabei kommen Chelatbildner wie zum Beispiel Äthylendiamintetraessigsäure (EDTA) zum Einsatz.

In Deutschland wird die Chelattherapie unter anderem von der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie e.V. (KMT) propagiert.

Einsatzgebiete

Medizin

Chelate werden in der evidenzbasierten Medizin seit den 1940er Jahren bei schweren Vergiftungen durch Schwermetalle eingesetzt. Nach dem Ausschalten der Vergiftungsursache (Beenden der Exposition) ist der Einsatz von Chelatbildnern die nächstwichtige Therapieform.

Schwermetalle wie Blei, Quecksilber u.a. werden im Körper gespeichert, reichern sich im Gewebe an (Blei beispielsweise in den Knochen) und verbleiben nach Beseitigung der ursprünglichen Quelle weiterhin im Körper. Durch das nur allmähliche Freisetzen des gespeicherten Schwermetalls besteht damit eine dauerhafte Belastung des Körpers. Chelatbildner fangen die im Körper zirkulierende Metalle ab und beschleunigen die natürliche Ausscheidung der im Körper gespeicherten Schwermetalle im Harn und/oder in der Galle. Die Wirksamkeit von Chelatbildnern kann gesteigert werden, indem für eine möglichst hohen Überschuss an freiem Chelat sorgt. Dies ist in der Praxis aber nicht leicht zu erreichen, da die Substanzen eben auch mit den körpereigenen Metallen eine Reaktion auslösen (siehe Nebenwirkungen)

Weiterhin wird Morbus Wilson, eine Stoffwechselkrankheit, die Kupfer im Körper anreichert, mit Chelatbildnern therapiert.

Alternativmedizin

Die Chelattherapie wird in der Alternativmedizin vor allem zur Ausleitung von milden (und oft nur behaupteten) Schwermetallbelastungen eingesetzt, oft auch ohne dass eine konkrete Belastung bzw. Vergiftungssymptome vorliegen (zum Beispiel Personen mit Amalgam-Plomben).[1]

Die Chelattherapie wird auch bei Arteriosklerose beworben („Rohrfrei für die Blutgefäße“) und findet in diesem Zusammenhang Anwendung bei der Alzheimer-Krankheit, Senilität, Schizophrenie, rheumatischer Arthritis, Osteoarthritis, Gicht, Nierensteinen, schlaganfallbedingtem Koma, Gallensteinen, Multipler Sklerose, Osteoporose, chronischem Müdigkeitssyndrom, Krampfadern, Bluthochdruck, Beeinträchtigung des Erinnerungsvermögens, Sklerodermie, Raynaud-Syndrom, Digitalisvergiftung, Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit), diabetischen Geschwüren, Durchblutungsstörungen, Geschwüren an den Beinen, Bissen von giftigen Schlangen, Impotenz, emotionalen Schwierigkeiten und Seh- und Hörproblemen.[2]

Oder es wird mit folgende Aussagen geworben:

"EDTA senkt den Blut-Kalziumspiegel und stimuliert so die Ausschüttung von Parathormon von der Nebenschilddrüse. Dieses Parathormon ist verantwortlich für die Entfernung von Kalzium von Orten, wo es nicht hingehört und die Ablagerung von Kalzium in die Knochen; EDTA stimuliert eine Vergrösserung von kleinen Gefässen, damit diese einen Umgehungskreislauf bilden; EDTA ist ein Antioxidans und vermindert den Schaden durch freie Radikale, die aus der Fett-Peroxidation entstehen; EDTA entfernt Metall Ionen, die zuviel und an falschen Orten abgelagert werden, wie Kupfer und Eisen; EDTA entfernt Blei, Kadmium, Aluminium und andere Schwermetalle; EDTA verbessert die Integrität der Zellmembrane; EDTA vermindert das Zusammenkleben der Blutplättchen, die zu Thrombosen führen können".[3]

Allesamt gar nicht oder nicht ausreichend evident belegt, ohne medizinische Relevanz oder basierend auf anekdotischer Evidenz.

Des Weiteren wird der Anspruch erhoben, Autismus mit dieser Therapie durch Ausleitung heilen zu können, da unterstellt wird, dass Schwermetallbelastungen der Auslöser seien. Autismus ist aber eine angeborene, nicht ursächlich behandelbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns. Schwermetallbelastungen stehen in keinerlei Zusammenhang mit Autismus. Auf diesem Gebiet tat sich u.a. Luc Montagnier durch die Gründung einer Arbeitsgruppe hervor, die das Ziel hatte, Behandlungsprotokolle für Autismus zu definieren. Die Arbeitsgruppe führte zudem ohne jegliche Zulassung eine als unethisch bewertete klinische Studie an autistischen Kindern durch, welche vom Autism Research Institute finanziert wurde, um einen Zusammenhang mit Schwermetallbelastungen zu beweisen.[4]. Der an dieser Untersuchung maßgeblich beteiligten Ärztin Corinne Skorupka wurde mittlerweile die Zulassung entzogen und ihr wurde untersagt, in Frankreich zu praktizieren [[1]] (genaues Datum unbekannt).

Auch gesunden Menschen, die einfach nur „gesund alt“ werden möchten, sowie älteren Menschen wird die Chelattherapie als Anti Aging-Mittel empfohlen.[1]

Allerdings darf davon ausgegangen werden, dass bei dem breiten Spektrum der angeboten Indikationen und Heilversprechen, grundlegende Voraussetzungen wie das Ermitteln des Grades der Expositionen und der toxischen Relevanz nicht immer sorgfältig festgestellt werden. Wird die Frage beantwortet: liegt tatsächlich eine akute/chronische Vergiftung vor, eine Belastung ohne konkrete Symptomatik oder überhaupt irgend ein behandlungsbedüftiger Zustand. Dies ist für die Auswahl der Mittel, wie auch für Dosis, die immer in Abhängigkeit zum toxischen Einfluss der Fremd-Substanz steht, von wesentlicher Bedeutung.

Dazu erforderlich ist natürlich auch eine konkrete Bestimmung der Substanz/en wie auch des Schweregrades (von I bis IV). Da diese Methoden vermehrt in den Reihen von Heilpraktikern, Homöopathen sowie sonstigen Hobby-Medizinern und Gelegenheits-Heilern angeboten werden, führt dies zu unklaren Behandlungssituationen. Diese Personengruppen verfügen über keine reguläre und fundierte Ausbildung in diesen Anwendungsbereichen und unterliegen nicht den Anforderungen, die an Mediziner gestellt werden. Daher ist nicht immer gesichert, dass die dafür notwendigen Untersuchungen (Mageninhalt, Blutserum, Urin, Stuhl etc.) in vollem Umfang durchgeführt werden. Viele Anbieter sind nicht in der Lage, diese Tests und Untersuchungen zu leisten und auch, wenn Labore beauftragt werden, fehlt die Kompetenz zur Deutung der Ergebnisse und der praxisrelevanten Umsetzung. Dies bietet ein Feld an schwer zu überblickenden Komplikationen (siehe Nebenwirkungen).

Durchführung

Bei der Chelattherapie erhalten die Patienten bis zu 70 intravenöse Infusionen mit Äthylendiamintetraessigsäure (EDTA), wobei oft parallel hochdosierte Gaben von Vitaminen, Spurenelementen, Mineralien und anderen Arzneimitteln beigemischt werden. Die Infusionen dauern 3-4 Stunden und werden 1-2mal wöchentlich vorgenommen. Empfehlungen zur gesunden Lebensführung runden die Therapie ab.[2]

Behaupteter Wirkmechanismus

Ansatzpunkt der Chelattherapie zur alternativmedizinischen Behandlung der Arteriosklerose ist die Annahme, durch die Bindung von Ca2+-Ionen mittels so genannter Chelatbildner (EDTA, D-Penicillamin, Deferoxamin) eine Entkalkung arteriosklerotischer Plaques zu erreichen und dadurch die Gefäße wieder geschmeidig zu machen, um die Durchblutung zu fördern. Man wolle "den Kalk aus den Adern rieseln lassen". Allerdings spielt Kalk aber bei der Entstehung von Plaques in den Blutgefäßen keine wesentliche Rolle.

Zulassungssituation in Deutschland

In den 1980er Jahren suchten die Befürworter der Chelattherapie in Deutschland den Eindruck zu erwecken, Chelatbildner wie EDTA seien zugelassene Arzneimittel und die Therapie somit seriös. So schrieb Martin: "Wir verfügen in Deutschland über ein beim Bundesgesundheitsamt in Berlin ordnungsgemäß zugelassenes EDTA-Präparat für die Behandlung von Verschlusskrankheiten".[5] Tatsächlich war das Mittel bereits vor 1976 zugelassen worden und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem kein Wirksamkeitsnachweis für eine Arzneimittelzulassung in Deutschland notwendig war. Das entsprechende Präparat hatte damals auch nur eine Zulassung für ganz bestimmte Indikationen (z.B. diagnostischer Bleitest und Therapie akuter, chronischer und latenter Bleivergiftungen, Entfernung von Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Kobalt, Kupfer, Nickel, Chrom, Mangan, Quecksilber, Vanadium und Zink und von Radioisotopen wie Uran). Für Gefäßerkrankungen oder die anderen von Chelattherapeuten genannten Indikationen war das Präparat nicht zugelassen.[2]

Festzuhalten ist, dass CaEDTA in Deutschland nicht mehr verfügbar ist, das bedeutet: der Behandler trägt die volle Verantwortung für alle Konsequenzen.

Zulassung USA

In den USA ist CaEDTA nicht als Chelatsubstanz zugelassen, NaEDTA ist zugelassen für Blei-Intoxikation, Hypercalcämie und ventriculäre Arrhythmien.[6] Dazu hat CaEDTA in den USA eine Zulassung als Nahrungsmittelzusatz.[7]

Studienlage

Entsprechende klinische Studien konnten keine Wirksamkeit der Chelattherapie bei arteriellen Plaques nachweisen.

Guldager et al. wiesen bei klinischen Voruntersuchungen nach, dass die Gabe von EDTA in einem doppelblinden randomisierten placebokontrollierten (Placebo: NaCl 0.9%) Versuch am Menschen keinen Einfluss auf die Serumspiegel von Cholesterin, LDL, HDL und Triglyceriden hatte.[8]

In der Folge wurde in einer weiteren randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie bei 80 Patienten (EDTA) bzw. 79 Patienten (Placebo: NaCl 0.9%) versucht, deren Claudicatio intermittens (zeitweises Hinken bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, auch Schaufensterkrankheit genannt) mittels Chelattherapie zu behandeln. Obwohl alle Patienten instruiert wurden, das Rauchen zu unterlassen, körperliches Training durchzuführen, Diätregeln einzuhalten und das Gewicht zu reduzieren, gab es keine Unterschiede zwischen der EDTA- und Placebotherapie nach 20 Injektionen im Verlauf von 5-9 Wochen (eine Infusion dauerte 3-4 Stunden). Weder die schmerzfrei von den Patienten zurückzulegende Wegstrecke (in Metern), noch die maximale Wegstrecke oder die subjektive Befindlichkeit, einige Laborparameter oder Nebenwirkungen waren zwischen beiden Studienarmen verschieden.[9]

Van Rij et al. untersuchten ebenfalls in einem placebokontrollierten Versuch die Wegstrecke von Patienten mit Claudicatio intermittens und fanden heraus, dass es keinen Unterschied zwischen einer EDTA- und Placebo-behandelten Gruppe gab. [10] Die Wegstrecke verlängerte sich in beiden Studienarmen sogar um 60%, was auf einen erheblichen Placeboeffekt solcher Therapieformen schließen lässt. Die Erwartungshaltung der Patienten wird demnach durch eine scheinbar wirksame Behandlung unterstützt und motivationsbedingt erreichen die Patienten längere Wegstrecken.

Am Departement of Complementary Medicine in Exeter befasste sich Professor Edzard Ernst eingehend mit der Thematik und analysierte alle bislang veröffentlichten Studien mit dieser Behandlungsform, wobei er zu einem vernichtenden Urteil kam: Er hält die Therapie für mehr als überflüssig. Bestätigt wird er durch eine Studie, in der bei den untersuchten Herzpatienten keine positiven Auswirkungen der Chelat-Therapie gefunden werden konnten. Bei einer einjährigen Nachuntersuchung waren in der Chelat-Gruppe ebenso viele Testpersonen an koronaren Herzleiden erkrankt wie in der Kontrollgruppe. Kritisch zu bewerten ist auch die Tatsache, dass bei der Chelat-Therapie lebenswichtige Mineralstoffe und Spurenelemente mit ausgeschwemmt werden. Dadurch kann es zu einer Störung des Kalziumstoffwechsels kommen sowie in dessen Folge zu Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen und Nierenversagen.[11]

Auch bei der Carstens-Stiftung, die der Pseudo-Medizin und ihren Methoden nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber steht, wird in einem Bericht geschrieben "Nutzen der Chelattherapie bleibt ungeklärt". Auf entsprechende Studien wird hingewiesen.[12]

In einer Verlautbarung der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie e.V. wurde wieder mit wissenschaftlicher Bestätigung geworben und es ist zu entnehmen, dass:

"Das National Institute of Health hatte dafür 30 Millionen $ investiert, und wie bei vielen unabhängigen Studien, in denen Krankenkassen oder nationale Behörden die Erfolge der Erfahrungsmedizin überprüft haben, konnten die erfahrungsmedizinische Behandlungen wissenschaftlich bestätigt werden..
Bei den mit der Chelat-Therapie mit Na-EDTA behandelten Herzinfarkt-Patienten wurden die primären Studien-Endpunkte Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall, Bypass-Operationen oder Ballonkatheter-Erweiterung von Herzkrankgefäßen und Krankenhausaufnahme wegen Herzschmerzen gegenüber den Plazebo-Patienten um 18% statistisch signifikant gesenkt." [13]

In der dort erwähnten Studie, dem TACT Randomized Trial, ist zu lesen, dass Hinweise gefunden wurden, die weitere Untersuchungen notwendig machten, darüber hinaus wurde aber festgestellt, dass die Ergebnisse nicht ausreichen, um eine routinemäßige Anwendung der Chelattherapie zur Behandlung von Post-MI-Patienten zu unterstützen.[14]

Nebenwirkungen

Obwohl Anbieter der Chelattherapie immer wieder behaupten, die Chelattherapie sei harmlos, wurden bereits seit Jahrzehnten immer wieder Berichte über schwere Nebenwirkungen vorgelegt, die in der Fachliteratur beschrieben werden. Chelatbildner entfernen nicht nur Schwermetall-Ionen aus dem Körper, sondern auch Ionen von metallischen Spurenelementen und Mineralien, was zu deren Mangel führen kann. Das Ausschwemmen von Calcium kann zu einer Störung des Calciumstoffwechsels und in der Folge zu Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen und sogar Atemstillstand führen. Auch Todesfälle wurden bekannt.[15] Der Calciummangel kann außerdem zur Störung der Blutgerinnung, Nierenversagen und einer Störung des Knochenmarks führen.[16]

Ebenfalls ein Quelle für Nebenwirkungen ist die Komplexbildung der Arzneistoffe mit den in der Nahrung enthaltenen mehrwertigen positiv geladenen Ionen (Kationen), wie Magnesium, Calcium, Zink, Eisen und Aluminium. Es werden schlecht lösliche und damit auch schwer resorbierbare Komplexe gebildet. Die Stabilität der gebildeten Komplexe ist für das Ausmaß der Interaktion von wesentlicher Bedeutung und kann dazu führen, dass die beabsichtigte und benötigte Wirkung nicht eintritt. Vor allem bei der Durchführung dieser Behandlungsform durch Personen, die nicht die dafür notwendigen Grundkenntnisse besitzen und auch nicht das entsprechende Screening durchführen können, ist dies problematisch.

Bedeutsame Quellen für mehrwertige Kationen sind Milch, Milchprodukte, Mineralwässer, mit Calcium angereicherte Fruchtsäfte, Gemüse, Obst sowie Nahrungsergänzungsmittel.

So gilt z.B. für DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure die Regel, dass es mindestens eine Stunde vor dem Essen und ohne Milch eingenommen oder verabreicht werden soll, da aufgrund der starken Bindung die Mineralien aus der Nahrung seine Bioverfügbarkeit stark vermindern. Bei der Anwendung durch Pseudo-Mediziner ist die Berücksichtigung dieser Aspekte nicht als gesichert zu betrachten.

Über weitere Nebenwirkungen der Chelattherapie berichtet die Fachliteratur:

  • Peterson beschrieb einen Fall mit schwerer Vaskulitis (Gefäßentzündung) unter EDTA-Therapie, bei dem nur mit einer schnellen operativen Intervention ein tödlicher Ausgang verhindert werden konnte. Auch beschrieb dieser Autor einen Fall mit hämolytischer Anämie und konsekutivem Herzinfarkt.[17]
  • Proksch und Kölmel beschrieben akute psychiatrische Komplikationen (Depression, Gedächtnisstörungen, Verschlechterung einer Demenz) nach EDTA-Therapie, die auf einen massiven EDTA-bedingten Zinkverlust zurückzuführen waren.[18]
  • Nissel beschrieb den dramatischen Verlauf im Fall eines 77jährigen Patienten mit seit Jahren zunehmenden arteriosklerotischen Gefäßveränderungen, der über drei Wochen Chelatbildner-Infusionen erhalten hatte. Sieben Stunden nach der letzten Infusion musste der Mann aufgrund einer hochgradigen Hypokalzämie mit ausgeprägtem Hirnödem in eine Klinik eingeliefert werden, wo er trotz intensivtherapeutischer Maßnahmen verstarb.[19]
  • In den USA sind Fälle bekannt, in denen diese Therapie ebenfalls zum Tod des Patienten führte. In Texas wurde ein Arzt zu einer Strafe von $ 2.150.000 verurteilt. Er hatte die Herzerkrankung des im Jahre 1992 im Alter von 61 Jahren verstorbenen Frank Vecchio, Inhaber der Del Vecchio Foods Distribution Company, erfolglos mit der unwirksamen Chelattherapie behandelt.[20]
  • Zwerling und Estes berichteten über zwei Patienten, bei denen sich ein Ast der Arteria centralis retinae (Zentralarterie des Auges) unter der EDTA-Therapie verschloss und die Sehfähigkeit eingeschränkt war. Nach Absetzen des EDTA war diese Nebenwirkung nur in geringem Umfang reversibel.[21]

Bewertung

Die Chelattherapie ist gegen Arteriosklerose unwirksam und zudem gefährlich für den Patienten. Die Ausleitung von Schwermetallen ohne Vorliegen einer konkreten Schwermetallbelastung in der Vergangenheit oder Auftreten von Vergiftungssymptomen ist unnötig. Ebenso unwirksam und unnötig ist diese Behandlung als reines Anti-Aging-Mittel. Zudem entstehen den Patienten hohe Kosten.[22]

Die Chelattherapie zur Behandlung vaskulärer Erkrankungen wurde bereits vom National Institut of Health als unwirksam abgelehnt.[23] Die American Medical Association, der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer und auch die National Heart Foundation of New Zealand gaben negative Stellungnahmen und Bewertungen zur Chelattherapie ab.[24][25][26]

Mit Behauptungen wie z.B., dass mit der Chelat-Therapie die Durchblutung entscheidend verbessert werde oder sogar drohende Bypass-Operationen der Herzkranzgefäße vermieden werden können, werden Betroffene in die Behandlungsmethode gelockt. Pro Infusion müssen sie zwischen 100 und 150 Euro zahlen. Circa 20 Infusionen gelten als das Wirkminimum; es können bis zu 70 Infusionen werden. Dazu kommen je nach Lebensalter und weiteren Krankheiten zusätzliche Infusionen. Die Anzahl erhöht sich beispielsweise, wenn Diabetes und gleichzeitig eine Gefäßkrankheit vorliegen. Damit kommen enorme Summen zusammen, die aus eigener Tasche bezahlt werden müssen, da die gesetzlichen Krankenkassen mangels fehlender evidenter Wirkungsnachweise für die Chelat-Therapie nichts übernehmen. Es handelt sich dann um reine Beutelschneiderei.

Literatur

  • Ernst E.: Deaths associated with EDTA chelation therapy - a systematic review. Perfusion 2009, 22(1) 9-11
  • Bekanntmachung des Umweltbundesamtes: Einsatz von Chelatbildnern in der Umweltmedizin? Erschienen in: Bundesgesundheitsbl–Gesundheitsforsch–Gesundheitsschutz 42 (19), (1999), 823-824 (PDF; 16kB)

Weblinks

Anderssprachige Psiram-Artikel

Quellennachweise

  1. 1,0 1,1 Zum Beispiel hier: www.chelat-therapie-ausleitung.de/leistungen/chelat-therapie/hintergrund-und-details/
  2. 2,0 2,1 2,2 Meyer FP: Über die 'Omnipotenz' der Chelattherapie. Forsch Komplementärmed, 5, 266-271, 1998
  3. https://web.archive.org/web/20070928220139/http://www.naturheilverfahren.aerzte-nrw.com/Therapien/Chelattherapie/chelattherapie.html
  4. http://www.pasapas-tunisie.org/pdf/curriculum_vitae_dr_skorupka.pdf (französisch)
  5. Martin CD: Die Chelattherapie. Universitas Verlag, 1986
  6. Uni Maryland, Med Ctr 2011)
  7. GRAS Notice No.GRN 000363, Juni 2011
  8. Guldager B, Foergeman O, Jorgensen SJ, Nexo E, Jelnes R: Disodium-ethylene diamine tretaacetic acid (EDTA) has no effect on blood lipids in atherosclerotic patients. Dan Med Bull, 40, 625-627, 1993
  9. Sloth-Nielsen J, Guldager B, Mouritzen C, Lund EB, Egeblad M, Nrregaard O, Jorgensen SJ, Jelnes R: Arteriographic findings in EDTA chelation therapy on peripheral arteriosclerosis. Am J Surg, 162, 122-125, 1991
  10. Rij AM van, Solomon C, Packer SGK, Hopkins WG: Chelation therapy for intermittent claudication. Circulation, 90, 1194-1199, 1994
  11. :http://www.fid-gesundheitswissen.de/innere-medizin/durchblutungsstoerungen/haende-weg-von-der-chelat-therapie/
  12. https://www.carstens-stiftung.de/artikel/nutzen-der-chelattherapie-bleibt-ungeklaert.html
  13. http://www.metallausleitung.de/f%C3%BCr-%C3%A4rzte/
  14. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4066975/
  15. http://www.casewatch.org/board/med/kerry/order.shtml
  16. Federspiel K, Herbst V: Die Andere Medizin. Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden. Stiftung Warentest Verlag, 2. Aufl., S. 219f, 1992
  17. Peterson GR: Adverse effects of chelation therapy. JAMA, 250, 2926, 1983
  18. Proksch, E.; Kölmel, K.: Zinkmangelsyndrom als Nebenwirkung von Chelatbildnern, Dt. med. Wochenschrift. 01/1985;110(25): 1001-1003
  19. Nissel H: Arteriosklerose und Chelattherapie. Wien Med Wochenschr, 136, 586-588, 1986
  20. NCAHF: Newsletter, 19, 2, 1996
  21. Zwerling CS, Estes EH: Branch retinal artery occlusion. A possible adverse effect of chelation therapy. N C Med J, 54, 172-174, 1993
  22. Federspiel K, Herbst V: Die Andere Medizin. Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden. Stiftung Warentest Verlag, 4. Aufl., S.217, 1996
  23. NCAHF: Newsletter, 19, 2, 1996
  24. American Medical Association: Chelation therapy. JAMA, 250, 672, 1983
  25. Wolff HP, Scheler F: Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesärztekammer und der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft: Wie sicher und wirksam ist die sogenannte Chelattherapie bei der Behandlung atherosklerotischer Gefäß-Erkrankungen? Dtsch Ärztebl, 81, 436, 1984
  26. Swinburn BA: Randomised trial of chelation therapy. N Zeal Med J, 108, 20, 1995