Scenar

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Quelle: www.scenar-nord.de. Verwendung mit freundlicher Genehmigung
Vaginal/Rektalsonde
Erfinder Alexander Revenko

Die Scenar-Therapie (auch Skenar oder S.K.E.N.A.R. bzw. S.C.E.N.A.R.– "Selbstkontrollierter Ergo-Neuro Adaptiv Regulator", und "Self-Controlled-Energo-Neuro-Adaptive-Regulation / Selbstgesteuerte Energo-neuro-adaptive-Regulation", russisch: СКЭНАР/Skenar) ist eine ursprünglich aus Russland stammende, pseudomedizinische Methode aus dem Bereich der Elektroakupunktur, die gegen eine Vielzahl von Erkrankungen wirksam sein soll. Sie wird allerdings nicht als Elektroakupunktur vermarktet, sondern soll nach Aussage von Anbietern der Scenar-Geräte eine "adaptive Regulation" auf Basis von Biofeedback und Annahmen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin bewirken.[1]

Anwender und Anbieter weisen explizit darauf hin, dass am Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder die Möglichkeit bestehe, sich zum "universitär zertifizierten Scenar-Therapeuten" durch das Lehrpersonal der Universität prüfen zu lassen.[2]

Das gleiche Gerät ist auch unter der Bezeichnung Skenar im Handel.

Ein Scenar-Anwender in Deutschland ist der deutsche Arzt Markus Kern aus Kempten im Allgäu, der ansonsten als engagierter Mobilfunkkritiker in Erscheinung tritt.[3] Auch der münchner Arzt Kai Reichert setzt die Methode ein. Reichert ist ansonsten für die Anwender des so genanntenr Coimbra-Protokoll bekannt.

Allgemeines

Die Methode wurde angeblich für die sowjetische Raumfahrt entwickelt, fand dort aber nie Verwendung und ist wissenschaftlich auch nicht anerkannt. Ein Nachweis etwaiger Wirkungen, die über einen Placeboeffekt hinausgehen, ist unbekannt. Als nicht anerkanntes Verfahren tragen die Kunden die gesamten Kosten von etwa 80 bis 100 Euro pro Anwendung.

Beachtung fand das Verfahren lediglich in einigen russischen Zeitschriften und im deutschsprachigen Raum in der Esoterik-Zeitschrift CoMed[4] sowie durch Berichte von Befürwortern in einer einzigen unbedeutenden Zeitschrift namens Internationale Zeitschrift für Biomedizinische Forschung und Therapie (Biologische Medizin, BM) des Homotoxikologie-nahen Aurelia Verlages.[5][6][7] Daneben sind einige Veröffentlichungen über nicht placebo-kontrollierte Anwendungsbeobachtungen in russischen Zeitschriften zu finden.[8]

Als Erfinder in den 1980er Jahren werden die Russen Alexander Karasev und Alexander Revenko angegeben. Patentinhaber und Hersteller ist die russische Firma RITM OKB ZAO; angeschlossen ist ein RITM SCENAR Institut. Angeboten werden Seminare in verschiedenen Ländern. Im deutschsprachigen Raum sind Anbieter zu finden, die häufig auch gleichzeitig Oberon-Metatron-Diagnostik und Etascan-Geräte anbieten.

Wie bei vielen ähnlichen Verfahren sollen die Scenar-Wundergeräte nicht für ganz bestimmte Störungen oder klar umrissene Indikationen geeignet sein, sondern für große Bereiche der gesamten Medizin. Szenetypisch werden von den Vermarktern nicht etwa wissenschaftlich dokumentierte Wirksamkeitsnachweise belegt, sondern lediglich auf diverse prominente Anwender verwiesen. Dazu sollen DTM-Mercedes-Teams, Fußballvereine wie Juventus Turin oder deutsche Bundesligisten und Olympiasportler gehören. Des Weiteren sei Scenar-Equipment auch im akademischen Bereich zur Anwendung gekommen, etwa an der Universität Potsdam, der Universität Frankfurt/Oder und bei diversen Klinken wie der Kreisklinik Dillingen-Wertingen und in Kliniken der ehemaligen LVA. Im deutschsprachigen Raum sind einige so genannte Scenar-Ärzte bekannt.[9] Zu diesen gehören die niedergelassenen Ärzte Hans Bründler, Christian W. Engelbert, Gerd Raetzel, Ulrich Scherer und Patricia Schmidt.

Die Berufung auf die TCM, auf den Homöopathen Georgos Vithoulkas, fehlende Wirksamkeitsnachweise sowie die absurd erscheinende Indikationsliste lassen diese all-medizinische Wundermethode als eine Variante aus dem Spektrum der Pseudomedizin erscheinen. Patienten mit schweren Erkrankungen wie Multipler Sklerose riskieren gesundheitliche Folgeschäden durch mögliche Unterlassung effektiver Therapien zugunsten dieser bislang nicht seriös validierten Methode. Unverantwortlich erscheinen Anwendungshinweise[10] zur Verwendung an "offenen Wunden" und Schleimhäuten, da hier Infektionen verursacht werden können.

Methodik

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Scenardiagramm.jpg

Im deutschsprachigen Raum kommen bislang zwei kleine batteriebetriebene Geräte mit den Bezeichnungen SCENARexpert und SCENARhome zum Einsatz, die in anderen Ländern auch etwas abweichende Bezeichnungen haben. SCENARexpert ist die Therapeutenversion, während SCENARhome als Gerät für den privaten Gebrauch propagiert wird. Unterschieden wird zwischen einem umschaltbaren Diagnosemodus und einem Therapiemodus. Die Geräte haben an ihrer Unterseite integrierte Elektroden und als Besonderheit eine zentrale aktive Elektrode, die von einer äußeren, ringförmig angeordneten, passiven Elektrode umgeben ist.

  • Im Diagnosemodus soll es durch den Hautkontakt des Gerätes zu Hautwiderstandsmessungen kommen. Gemessene Hautwiderstände sollen danach durch ein unbekanntes Rechenverfahren den Therapiemodus im Sinne eines Biofeedbacks beeinflussen. Im so genannten Basismodus wird das Scenar-Gerät auf der Haut über vom Patienten genannte Problemareale hin und her gestrichen. Angebliche Körperreaktionen sollen dem Anwender danach sowohl akustisch als auch optisch angezeigt werden.
  • Im Therapiemodus sollen niederfrequente "bidirektionale" elektrische Impulse an Elektroden abgegeben werden, die direkt am Gerät befestigt sind und bei Berührung mit der Haut so zu Hautelektroden werden. Die abgegebene impulsartige Wechselspannung mit Frequenzen im Bereich von 60 Hz und 15 kHz soll unter der Behandlung ein Kribbelgefühl hervorrufen und angeblich einen nicht näher beschriebenen Einfluss auf das vegetative Nervensystem haben. Es beeinflusse gewisse nicht näher bezeichnete Anpassungs- und Regulationsvorgänge, stärke angeblich Abwehrkräfte und zeige dem Körper einen "Weg zur Selbstheilung" auf. Im Gegensatz zum TENS-Verfahren sei jeder einzelne Impuls anders als der vorhergegangene, was den Körper daran hindern soll, sich an diese Impulse anzupassen.

Genannte Indikationen

Scenar bei Krebs

Nach Hersteller- und Vermarkterangaben soll die Wundermethode für eine Vielzahl chronischer und akuter Erkrankungen in jedem Stadium geeignet sein. Eine der wenigen angeblichen Kontraindikationen sei die Anwesenheit von Herzschrittmachern. In der Werbung genannte Indikationen sind unter anderem:

  • Durchblutungsstörungen und Beeinträchtigungen des Blutkreislaufs
  • Störungen des Nervensystems
  • Multiple Sklerose
  • Entzündungen, Lungenentzündungen, Bronchitis, Nebenhöhlenentzündungen
  • Migräne
  • Tinnitus
  • Allergien
  • Toxische Belastungen etc.
  • Asthma bronchiale
  • Fertilitätsstörungen
  • Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis, Ekzeme und Verbrennungen
  • Gelenksentzündungen, Sehnenscheidenentzündungen, Muskelverspannungen, Bandscheibenvorfälle
  • Burn-Out-Syndrom, Schlafstörungen und Depression

Einige Anbieter nennen als Indikation sogar ausdrücklich Krebserkrankungen. Scenar-Geräte werden auch von vielen Chiropraktikern eingesetzt.

Siehe auch

Ähnliche Geräte, ebenfalls aus Russland, werden unter dem Namen Denas vermarktet.

Weblinks

Quellennachweise

  1. Lebedev VA. The treatment of neurogenic bladder dysfunction with enuresis in children using the SKENAR apparatus. (self-controlled energy-neuroadaptive regulator). Vopr Kurortol Fizioter Lech Fiz Kult. 1995 Jul-Aug;(4):25-6
  2. http://psiram.com/ge/index.php?title=Institut_f%C3%BCr_transkulturelle_Gesundheitswissenschaften_der_Europa-Universit%C3%A4t_Viadrina#Qualifizierung_zum_universit.C3.A4ren_Scenar-Therapeuten
  3. http://www.scenar.de/therapeutensuche/zeige_details.php?ID=530
  4. Ulrich Scherer: Scenar-Therapie – Ein schmerzfreies und ganzheitliches Therapieverfahren zur Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen. In: CO´MED, 11. Jahrgang (2005), Nr. 8, S. 86 – 90.
  5. Christian W. Engelbert: Scenar – Aktivierung von Heilprozessen durch individuelle Impulstherapie. In: BM Biologische Medizin, 34. Jahrgang (2005), Heft 1, S. 25 – 28.
  6. Christian W. Engelbert: Scenar und Homöosiniatrie. Ein neues Behandlungskonzept bei akuter Verletzung und Degeneration der Gelenke. In: BM Biologische Medizin, 35. Jahrgang (2006), Heft 2.
  7. Dr. Dieter Lazik et al.: Scenar in der Anwendung bei muskulo-skelettalen Beschwerden im Kraftsport. In: BM Biologische Medizin, 35. Jahrgang (2006), Heft 2.
  8. Tsimmerman IaS, Kochurova IA, Vladimirskiĭ EV. The effectiveness of SCENAR therapy in complex treatment of duodenal ulcer, and the mechanisms of its action. Klin Med (Mosk). 2006;84(7):35-41.
  9. http://www.scenar.de/akademie/referenten.html
  10. http://www.scenar-revenko.ru/en/trade/devices.htm