Horisan: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Horisan''' ist eine Firma aus Bocholt, die Geräte für das [[pseudomedizin]]ische Konzept des [[Metabolic Typing]] vermarktet. Nach dieser Lehre (auf deutsch meist ''Stoffwechseltypisierung'' genannt) ist jeder Mensch ein individueller Stoffwechseltyp mit unterschiedlichem Bedarf an Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett und Mikronährstoffen. Aus der Kenntnis des Typs werden Diätempfehlungen abgeleitet.  
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'''Horisan''' ist eine Firma mit Sitz in Wesel (Nordrhein-Westfalen)<ref>Firmensitz: Horisan GmbH, Düsselweg 12, D-46485 Wesel</ref> und Geschäftführung in Velbert, die Geräte für das [[pseudomedizin]]ische Konzept des [[Metabolic Typing]] vermarktet. Geschäftsführerin war ursprünglich die [[Heilpraktiker]]in Ulrike Holzrichter, Ehefrau des Arztes, Heilpraktikers und Erfinders Klaus-Dieter Holzrichter, der Eigentümer der Horisan GmbH ist. Später wurden Sitz und Geschäftsführung der Firma in untypischer Weise getrennt und als Geschäftsführerin wurde Constance Nolting aus Velbert genannt<ref>https://www.psiram.com/de/images/7/74/Horisan_GmbH_2014.jpg</ref>, die Geschäftsführerin des [[Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V.]] (ZAEN) ist.<ref>Horisan GmbH, Constance Nolting, Geschäftsführung, Nierenhofer Strasse 100, D-42551 Velbert</ref> Zuletzt wird für die Horisan GmbH ein veränderter Geschäftszweck angegeben. Demnach bilde sie im deutschsprachigen Raum Ernährungsberater aus. Weitere Geschäfte der Horisan werden zuletzt offenbar von der spanischen Firma Hovital, S.L. von Thomas Herrera Schäfer aus Alicante weitergeführt.<ref>Hovital, S.L., Thomas Herrera Schäfer, Paseo de la Explanada de España, E-03002 Alicante, Spanien<br>+34 96 6100 344
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Mail: info@hovital.es</ref>
  
Zentraler Punkt der Lehre ist die Bestimmung des Stoffwechseltyps. Sie wird von Horisan "Metabolic-Check" genannt und mit einem speziellen Testgerät vorgenommen, das von Horisan patentiert wurde und unter der Bezeichnung ''EVA&nbsp;3000'' verkauft wird. EVA ist die Abkürzung für Ernährungsverträglichkeitsanalyse. Mit dem Gerät würden mittels Bio-Feedback ''"direkt am Patienten ohne Blutabnahme in wenigen Minuten"'' folgende Parameter ermittelt:
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Nach der Lehre des Metabolic Typing (auf deutsch auch "Stoffwechseltypisierung" genannt) ist jeder Mensch ein individueller Stoffwechseltyp mit unterschiedlichem Bedarf an Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett und [[Mikronährstoffe]]n. Aus der Kenntnis des Typs werden Diätempfehlungen abgeleitet.
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Zentraler Punkt der Lehre ist die Bestimmung des Stoffwechseltyps. Sie wird von Horisan "Metabolic-Check" genannt und mit einem speziellen Testgerät vorgenommen, das von Horisan patentiert wurde und unter der Bezeichnung ''EVA&nbsp;3000'' verkauft wird. EVA ist die Abkürzung für Ernährungsverträglichkeitsanalyse. Mit dem Gerät würden mittels Bio-Feedback "direkt am Patienten ohne Blutabnahme in wenigen Minuten" folgende Parameter ermittelt:
  
 
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* ''Wie groß ist die aktuelle Stärke-Verträglichkeit?''
 
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* ''Bestehen Unverträglichkeiten auf Grundnahrungsmittel wie z.B. Weizen, Gluten oder Milch?''
* ''wie wirken sich z.B. Kaffee, Zigaretten und Zucker aus?''
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* ''Wie wirken sich z.B. Kaffee, Zigaretten und Zucker aus?''
* ''Welche Nahrungsergänzungsmittel unterstützen den Körper, welche schaden?''
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Daraufhin könnten "sehr umfangreiche individuelle Ernährungsempfehlungen [...] sofort ausgedruckt und dem Klienten mitgegeben werden." Da die Methode schmerzlos sei, "können damit auch Kinder sehr gut gemessen werden."
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Die offen zugänglichen Informationen zum Gerät sind dürftig. Die Firma Horisan selbst benutzt auf ihren Internetseiten seit etwa 2010 praktisch nur noch Redewendungen wie "unser System", ohne Näheres zu nennen. Horisan arbeite aber "mit Hochdruck an der wissenschaftlichen Absicherung".<ref>http://www.metabolic-check.de/de/arzt3.php Aufruf am 13. September 2010</ref>
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Einige Einzelheiten kann man der Patentschrift <ref>DE&nbsp;10145249 B4: Gerät zur Erzeugung eines Testsignals. Anmeldetag 13.09.2001. Veröffentlichungstag der Patenterteilung: 15.01.2009. Als Erfinder sind der Bocholter Arzt und [[Heilpraktiker]] Klaus-Dieter Holzrichter und der Elektroniker [[Dieter Jossner]] angegeben.</ref><ref>EP&nbsp;1291652&nbsp;A3: Testgerät und Verfahren zur Erzeugung eines Testsignals für eine Lebensmittelverträglichkeitsanalyse. Anmeldetag 07.08.2002 </ref> entnehmen. Danach handelt es sich im Wesentlichen um einen elektronischen Signalgenerator, dessen Ausgangssignal dem Klienten über eine Manschette am Arm zugeführt wird. Das erwähnte Biofeedback ist ausdrücklich nicht Bestandteil des Gerätes. D.h. die behauptete Reaktion des Klienten auf das Signal wird nicht vom Gerät erfasst, sondern mit "Verfahren wie [[Kinesiologie]], [[Physioenergetik]], [[RAC]], [[Biotensor]] oder [[EAV]] [...] durch einen den Test durchführenden Arzt oder Heilpraktiker", also mit rein subjektiven Methoden.<ref>In einem Werbevideo demonstriert der Erfinder des EVA&nbsp;3000, Klaus-Dieter Holzrichter, den Gebrauch mit Hilfe des [[Arm-Längen-Reflex-Test]]s, einer Spielart der Kinesiologie.</ref> Das Resultat der Typbestimmung wird damit trotz des Objektivität suggerierenden Gerätes allein von der behandelnden Person bestimmt.
  
Daraufhin könnten ''"sehr umfangreiche individuelle Ernährungsempfehlungen [...] sofort ausgedruckt und dem Klienten mitgegeben werden."'' Da die Methode schmerzlos sei, ''"können damit auch Kinder sehr gut gemessen werden."''
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Im Einzelnen besteht das EVA&nbsp;3000 aus einem [[Rauschgenerator]], für dessen Bandbreite ein Bereich von einigen Hertz bis etwa 600&nbsp;kHz angegeben wird. Das Rauschsignal wird mit einem Signal oder wahlweise einem Signalgemisch moduliert,<ref>Besonders betont wird von den Erfindern, dass für die Modulatorschaltung ein Dual-Gate Mosfet eingesetzt ist (ein Transistortyp, der z.B. in Radioempfängern als sog. Mischer für einen ähnlichen Zweck benutzt wird). Das ist aber ein belangloses Detail (erst recht gemessen an anderen Einzelheiten des Gerätes, etwa der elektrischen Ankopplung der Proben), da elektronische Schaltungen, die zwei Spannungen mehr oder weniger genau multiplizieren, auch mit anderen Komponenten realisiert werden können.</ref> das angeblich von Proben bestimmter Substanzen ausgeht, die sich im Gerät befinden. Warum die Probensignale den Umweg über die Beeinflussung eines anderen Signals gehen müssen, bevor sie dem Klienten zugeleitet werden, wird nicht erklärt, aber beste Ergebnisse würden erzielt, wenn dieses Signal eben ein breitbandiges Rauschen ist.
  
== EVA 3000 ==
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Bevor das so erzeugte Signal zum Klienten gelangt, kann es optional mit einem weiteren, einfacher aufgebauten Modulator mit einer "biologisch neutralen [[Frequenz]]" von etwa 2.000&nbsp;Hz gepulst, also ein- und ausgeschaltet werden. Welchen Zweck das haben soll, wird ebenfalls nicht gesagt. Das Ausgangssignal des Gerätes soll eine Spannung von 200&nbsp;bis 300&nbsp;mV haben. Die Verbindung zum Körper des Klienten ist aber allem Anschein nach einpolig ausgeführt, so dass diese Angabe wenig Sinn hat; da auf diese Weise praktisch kein Strom fließt, ist insbesondere auch mit keinem physiologischen Effekt zu rechnen, der &ndash; mit welchen Methoden auch immer &ndash; nachgewiesen werden könnte.
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Die öffentlich zugänglichen Informationen zur Funktionsweise des Gerätes sind dürftig. Einige Einzelheiten kann man allerdings der Patentschrift <ref>DE 10145249: Testgerät und Verfahren zur Erzeugung eines Testsignals für eine Lebensmittelanalyse. Anmeldetag 13.09.2001. Als Erfinder sind der Bocholter Arzt und Heilpraktiker Klaus-Dieter Holzrichter und der Elektroniker [[Dieter Jossner]] angegeben.</ref><ref>EP 1291652. Anmeldetag 07.08.2002</ref> entnehmen. Danach handelt es sich im Wesentlichen um einen elektronischen Signalgenerator, dessen Ausgangssignal dem Klienten über eine Manschette am Arm zugeführt wird. Das erwähnte Biofeedback ist nicht Bestandteil des Gerätes. D.h. die Reaktion des Klienten auf das Signal wird nicht vom Gerät erfasst, sondern mit ''"Verfahren wie [[Kinesiologie]], Physioenergetik, RAC, [[Biotensor]] oder [[EAV]] [...] durch einen den Test durchführenden Arzt oder Heilpraktiker"'', also mit höchst subjektiven Methoden.<ref>In einem Werbevideo demonstriert der Erfinder des EVA&nbsp;3000, Klaus-Dieter Holzrichter, den Gebrauch mit Hilfe des [[Arm-Längen-Reflex-Test]]s, einer Spielart der Kinesiologie.</ref> Das Resultat der Typbestimmung wird damit trotz des Objektivität suggerierenden Gerätes von der behandelnden Person bestimmt.
 
  
Im Einzelnen besteht das EVA 3000 aus einem [[Rauschgenerator]], für dessen Bandbreite ein Bereich von einigen Hz bis etwa 600&nbsp;kHz angegeben wird. Das Rauschsignal wird mit einem oder mehreren Signalen moduliert <ref>Besonders betont wird von den Erfindern, dass für die Modulatorschaltung ein Dual-Gate Mosfet eingesetzt ist (ein Transistortyp, der z.B. in Radioempfängern als sog. Mischer für diesen Zweck benutzt wird). Das ist aber ein belangloses Detail (erst recht gemessen an anderen Einzelheiten des Gerätes, etwa der elektrischen Ankopplung der "Proben"), da solche Schaltungen, die zwei Spannungen mehr oder weniger genau multiplizieren, in der Analogelektronik auch mit anderen Komponenten realisiert werden können, z.B. mit dafür erhältlichen integrierten Schaltkreisen.</ref>, die von "Proben" ausgehen, die in das Gerät eingebaut sind. Bevor das so erzeugte Signal zum Klienten gelangt, kann es über einen weiteren, einfacher aufgebauten Modulator mit einer "biologisch neutralen Frequenz" von etwa 2000&nbsp;Hz gepulst, also ein- und ausgeschaltet werden. Welchen Zweck das haben soll, wird nicht gesagt. Das Ausgangssignal soll eine Spannung von 200 bis 300&nbsp;mV haben. Da die Verbindung zum Klienten aber allem Anschein nach einpolig ausgeführt ist, hat diese Angabe wenig Sinn.
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Als Probensubstanzen kämen Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Enzyme usw. in Betracht, und zwar vorzugsweise in [[Homöopathie|homöopathischer Verdünnung]]. Die Proben sollen sich in Ampullen aus Aluminium oder Glas im Gerät befinden. Warum beispielsweise Fett ein elektrisches Signal abgeben soll, zumal wenn es infolge extremer Verdünnung selbst nicht mehr vorhanden ist, welcher Art dieses Signal sei und wie es von der Probe abgegriffen werde, ist Geheimnis des Herstellers.<ref>In der Patentschrift findet sich folgende Passage, mit der sich die Erfinder gegen eventuelle Einwände, dass es sich bei den Probensignalen um Hokuspokus handeln könnte, zu immunisieren versuchen: ''"Weiter oben ist schon angedeutet worden, daß der Fachmann bei dem Aufbau des Testgeräts gemäß dem bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung unter Umständen durch die elektrisch angekoppelten Proben keine Beeinflussung des von dem Rauschgenerator kommenden Signals erwarten und unter Umständen auch nur schwer meßtechnisch nachweisen können wird. Jedoch zeigen vielfältige Versuche, daß die bei einer getesteten Person erzeugbare Reaktion ganz wesentlich davon abhängt, ob eine Probe an den Rauschgenerator angekoppelt ist oder nicht, und insbesondere auch, um was für eine Probe es sich dabei handelt, also welche Probesubstanz sie enthält."'' Ein Signal, das mit gewöhnlicher elektronischer Schaltungstechnik verarbeitet werden kann, sich aber andererseits der Messbarkeit (mit elektronischen Geräten) entzieht, ist tatsächlich ungewöhnlich. Und die erwähnten "vielfältigen Versuche", mit sauberem Studiendesign durchgeführt, wären bei den behaupteten Resultaten eine medizinisch-wissenschaftliche Sensation.</ref> Vergleichbare Aussagen finden sich indes auch bei anderen pseudomedizinischen Geräten, vor allem in der [[Radionik]], beim sog. Resonanztest der [[Elektroakupunktur nach Voll]] sowie bei davon inspirierten Erfindungen wie dem [[Wave Transfer]]- und dem [[Timewaver]]-Gerät.
  
Als Probesubstanzen kämen Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Enzyme usw. in Betracht, und zwar vorzugsweise in homöopathischer Verdünnung. Die Proben sollen sich in Ampullen aus Aluminium oder Glas befinden. Warum beispielsweise eine Fettprobe ein elektrisches Signal abgeben soll, welcher Art dieses Signal ist und wie es abgegriffen wird, ist Geheimnis des Herstellers.<ref> Im Patent findet sich folgende Passage, mit der sich die Erfinder gegen eventuelle Einwände, dass es sich bei den Probensignalen um Hokuspokus handeln könnte, zu immunisieren versuchen: ''"Weiter oben ist schon angedeutet worden, daß der Fachmann bei dem Aufbau des Testgeräts gemäß dem bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung unter Umständen durch die elektrisch angekoppelten Proben keine Beeinflussung des von dem Rauschgenerator kommenden Signals erwarten und unter Umständen auch nur schwer meßtechnisch nachweisen können wird. Jedoch zeigen vielfältige Versuche, daß die bei einer getesteten Person erzeugbare Reaktion ganz wesentlich davon abhängt, ob eine Probe an den Rauschgenerator angekoppelt ist oder nicht, und insbesondere auch, um was für eine Probe es sich dabei handelt, also welche Probesubstanz sie enthält."''</ref> Vergleichbare unsinnige Vorstellungen finden sich indes auch bei anderen pseudomedizinischen Verfahren, vor allem in der [[Radionik]] sowie bei davon inspirierten Erfindungen wie dem [[Timewaver]]-Gerät.
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Die Gemeinschaftsmarke EVA 3000 mit Eintragungsnummer 2576833 wurde am 14. Februar 2002 von der der Horisan GmbH angemeldet und am 17. Februar 2006 für die HoriSan GmbH eingetragen. Es kam im Verlauf zu einer Markenübertragungsvereinbarung über mehrere Marken zwischen der Horisan GmbH und der in Spanien residierenden Firma Hovital s.l. aus Alicante.<ref>Hovital s.l., Cm. Higinio, N.° 9, E-03727 Jalón (Alicante)</ref>
  
== Quellennachweise und Anmerkungen ==
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==Quellennachweise und Anmerkungen==
 
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[[category:Scharlatanerie]]
 
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Aktuelle Version vom 9. Oktober 2021, 19:41 Uhr

EVA 3000

Horisan ist eine Firma mit Sitz in Wesel (Nordrhein-Westfalen)[1] und Geschäftführung in Velbert, die Geräte für das pseudomedizinische Konzept des Metabolic Typing vermarktet. Geschäftsführerin war ursprünglich die Heilpraktikerin Ulrike Holzrichter, Ehefrau des Arztes, Heilpraktikers und Erfinders Klaus-Dieter Holzrichter, der Eigentümer der Horisan GmbH ist. Später wurden Sitz und Geschäftsführung der Firma in untypischer Weise getrennt und als Geschäftsführerin wurde Constance Nolting aus Velbert genannt[2], die Geschäftsführerin des Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V. (ZAEN) ist.[3] Zuletzt wird für die Horisan GmbH ein veränderter Geschäftszweck angegeben. Demnach bilde sie im deutschsprachigen Raum Ernährungsberater aus. Weitere Geschäfte der Horisan werden zuletzt offenbar von der spanischen Firma Hovital, S.L. von Thomas Herrera Schäfer aus Alicante weitergeführt.[4]

Nach der Lehre des Metabolic Typing (auf deutsch auch "Stoffwechseltypisierung" genannt) ist jeder Mensch ein individueller Stoffwechseltyp mit unterschiedlichem Bedarf an Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett und Mikronährstoffen. Aus der Kenntnis des Typs werden Diätempfehlungen abgeleitet.

Zentraler Punkt der Lehre ist die Bestimmung des Stoffwechseltyps. Sie wird von Horisan "Metabolic-Check" genannt und mit einem speziellen Testgerät vorgenommen, das von Horisan patentiert wurde und unter der Bezeichnung EVA 3000 verkauft wird. EVA ist die Abkürzung für Ernährungsverträglichkeitsanalyse. Mit dem Gerät würden mittels Bio-Feedback "direkt am Patienten ohne Blutabnahme in wenigen Minuten" folgende Parameter ermittelt:

  • Welcher Ernährungstyp liegt vor im Autonomen Nervensystem?
  • Welcher Ernährungstyp liegt vor im Verbrennungssystem?
  • Welches ist der dominante Stoffwechseltyp?
  • Welcher Drüsentyp liegt vor?
  • Welche Nahrungsmittel führen zu Übergewicht?
  • Wie kann Übergewicht abgebaut oder verhindert werden?
  • Welche Sportarten sind für Sie gut geeignet?
  • Welche Nahrungsmittel verbessern die Energie; welche rauben Energie?
  • Wieviel Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett benötigt der Organismus pro Mahlzeit?
  • Wie groß ist die aktuelle Stärke-Verträglichkeit?
  • Bestehen Unverträglichkeiten auf Grundnahrungsmittel wie z.B. Weizen, Gluten oder Milch?
  • Wie wirken sich z.B. Kaffee, Zigaretten und Zucker aus?
  • Welche Nahrungsergänzungsmittel unterstützen den Körper, welche schaden?

Daraufhin könnten "sehr umfangreiche individuelle Ernährungsempfehlungen [...] sofort ausgedruckt und dem Klienten mitgegeben werden." Da die Methode schmerzlos sei, "können damit auch Kinder sehr gut gemessen werden."

EVA 3000

Zeichnung aus der Patentschrift
Blockschaltbild

Die offen zugänglichen Informationen zum Gerät sind dürftig. Die Firma Horisan selbst benutzt auf ihren Internetseiten seit etwa 2010 praktisch nur noch Redewendungen wie "unser System", ohne Näheres zu nennen. Horisan arbeite aber "mit Hochdruck an der wissenschaftlichen Absicherung".[5]

Einige Einzelheiten kann man der Patentschrift [6][7] entnehmen. Danach handelt es sich im Wesentlichen um einen elektronischen Signalgenerator, dessen Ausgangssignal dem Klienten über eine Manschette am Arm zugeführt wird. Das erwähnte Biofeedback ist ausdrücklich nicht Bestandteil des Gerätes. D.h. die behauptete Reaktion des Klienten auf das Signal wird nicht vom Gerät erfasst, sondern mit "Verfahren wie Kinesiologie, Physioenergetik, RAC, Biotensor oder EAV [...] durch einen den Test durchführenden Arzt oder Heilpraktiker", also mit rein subjektiven Methoden.[8] Das Resultat der Typbestimmung wird damit trotz des Objektivität suggerierenden Gerätes allein von der behandelnden Person bestimmt.

Im Einzelnen besteht das EVA 3000 aus einem Rauschgenerator, für dessen Bandbreite ein Bereich von einigen Hertz bis etwa 600 kHz angegeben wird. Das Rauschsignal wird mit einem Signal oder wahlweise einem Signalgemisch moduliert,[9] das angeblich von Proben bestimmter Substanzen ausgeht, die sich im Gerät befinden. Warum die Probensignale den Umweg über die Beeinflussung eines anderen Signals gehen müssen, bevor sie dem Klienten zugeleitet werden, wird nicht erklärt, aber beste Ergebnisse würden erzielt, wenn dieses Signal eben ein breitbandiges Rauschen ist.

Bevor das so erzeugte Signal zum Klienten gelangt, kann es optional mit einem weiteren, einfacher aufgebauten Modulator mit einer "biologisch neutralen Frequenz" von etwa 2.000 Hz gepulst, also ein- und ausgeschaltet werden. Welchen Zweck das haben soll, wird ebenfalls nicht gesagt. Das Ausgangssignal des Gerätes soll eine Spannung von 200 bis 300 mV haben. Die Verbindung zum Körper des Klienten ist aber allem Anschein nach einpolig ausgeführt, so dass diese Angabe wenig Sinn hat; da auf diese Weise praktisch kein Strom fließt, ist insbesondere auch mit keinem physiologischen Effekt zu rechnen, der – mit welchen Methoden auch immer – nachgewiesen werden könnte.

Als Probensubstanzen kämen Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Enzyme usw. in Betracht, und zwar vorzugsweise in homöopathischer Verdünnung. Die Proben sollen sich in Ampullen aus Aluminium oder Glas im Gerät befinden. Warum beispielsweise Fett ein elektrisches Signal abgeben soll, zumal wenn es infolge extremer Verdünnung selbst nicht mehr vorhanden ist, welcher Art dieses Signal sei und wie es von der Probe abgegriffen werde, ist Geheimnis des Herstellers.[10] Vergleichbare Aussagen finden sich indes auch bei anderen pseudomedizinischen Geräten, vor allem in der Radionik, beim sog. Resonanztest der Elektroakupunktur nach Voll sowie bei davon inspirierten Erfindungen wie dem Wave Transfer- und dem Timewaver-Gerät.

Die Gemeinschaftsmarke EVA 3000 mit Eintragungsnummer 2576833 wurde am 14. Februar 2002 von der der Horisan GmbH angemeldet und am 17. Februar 2006 für die HoriSan GmbH eingetragen. Es kam im Verlauf zu einer Markenübertragungsvereinbarung über mehrere Marken zwischen der Horisan GmbH und der in Spanien residierenden Firma Hovital s.l. aus Alicante.[11]

Quellennachweise und Anmerkungen

  1. Firmensitz: Horisan GmbH, Düsselweg 12, D-46485 Wesel
  2. Horisan_GmbH_2014.jpg
  3. Horisan GmbH, Constance Nolting, Geschäftsführung, Nierenhofer Strasse 100, D-42551 Velbert
  4. Hovital, S.L., Thomas Herrera Schäfer, Paseo de la Explanada de España, E-03002 Alicante, Spanien
    +34 96 6100 344 Mail: info@hovital.es
  5. http://www.metabolic-check.de/de/arzt3.php Aufruf am 13. September 2010
  6. DE 10145249 B4: Gerät zur Erzeugung eines Testsignals. Anmeldetag 13.09.2001. Veröffentlichungstag der Patenterteilung: 15.01.2009. Als Erfinder sind der Bocholter Arzt und Heilpraktiker Klaus-Dieter Holzrichter und der Elektroniker Dieter Jossner angegeben.
  7. EP 1291652 A3: Testgerät und Verfahren zur Erzeugung eines Testsignals für eine Lebensmittelverträglichkeitsanalyse. Anmeldetag 07.08.2002
  8. In einem Werbevideo demonstriert der Erfinder des EVA 3000, Klaus-Dieter Holzrichter, den Gebrauch mit Hilfe des Arm-Längen-Reflex-Tests, einer Spielart der Kinesiologie.
  9. Besonders betont wird von den Erfindern, dass für die Modulatorschaltung ein Dual-Gate Mosfet eingesetzt ist (ein Transistortyp, der z.B. in Radioempfängern als sog. Mischer für einen ähnlichen Zweck benutzt wird). Das ist aber ein belangloses Detail (erst recht gemessen an anderen Einzelheiten des Gerätes, etwa der elektrischen Ankopplung der Proben), da elektronische Schaltungen, die zwei Spannungen mehr oder weniger genau multiplizieren, auch mit anderen Komponenten realisiert werden können.
  10. In der Patentschrift findet sich folgende Passage, mit der sich die Erfinder gegen eventuelle Einwände, dass es sich bei den Probensignalen um Hokuspokus handeln könnte, zu immunisieren versuchen: "Weiter oben ist schon angedeutet worden, daß der Fachmann bei dem Aufbau des Testgeräts gemäß dem bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung unter Umständen durch die elektrisch angekoppelten Proben keine Beeinflussung des von dem Rauschgenerator kommenden Signals erwarten und unter Umständen auch nur schwer meßtechnisch nachweisen können wird. Jedoch zeigen vielfältige Versuche, daß die bei einer getesteten Person erzeugbare Reaktion ganz wesentlich davon abhängt, ob eine Probe an den Rauschgenerator angekoppelt ist oder nicht, und insbesondere auch, um was für eine Probe es sich dabei handelt, also welche Probesubstanz sie enthält." Ein Signal, das mit gewöhnlicher elektronischer Schaltungstechnik verarbeitet werden kann, sich aber andererseits der Messbarkeit (mit elektronischen Geräten) entzieht, ist tatsächlich ungewöhnlich. Und die erwähnten "vielfältigen Versuche", mit sauberem Studiendesign durchgeführt, wären bei den behaupteten Resultaten eine medizinisch-wissenschaftliche Sensation.
  11. Hovital s.l., Cm. Higinio, N.° 9, E-03727 Jalón (Alicante)