Noni-Saft

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Noni-Früchte
Noni-Saft

Noni-Saft ist ein aus den Früchten des polynesischen Noni-Baums (Morinda citrifolia L., Syn.: Morinda bracteata Roxb.) hergestellter Saft. Die Noni-Frucht selbst ist eine etwa hühnereigroße Sammelsteinfrucht. Der Geschmack und der Geruch der reifen Früchte ist unangenehm und wird als „faulig“ oder „an ranzigen Käse erinnernd“ angegeben.

Noni-Saft wird aggressiv über das Multilevel Marketing als Wellnessgetränk, aber auch zur Vorbeugung von Krankheiten bis hin zu Krebstherapie angepriesen. Immer häufiger werden einfache Lebensmittel, die meist exotischen Ursprungs sind, über Strukturvertriebe nach Europa gebracht. Um den Verkauf anzukurbeln, werden dem Produkt Heilwirkungen nachgesagt.

Inhaltsstoffe

Strukturformel des hypothetischen Xeronin (nach R. Heinicke)

Der Saft von Morinda citrifolia enthält eine Substanz mit der Bezeichnung 'noni-ppt' (Hirazumi und Furusawa 1999), aber auch Anthrachinone (Hagendoorn et al. 1999[1]) und hierbei u.a. Damnacanthal, das in den Wurzeln der Pflanze vorkommt (Hiramatsu et al. 1993[2]). Natürlicherweise in Pflanzen vorkommende Anthrachinone, so genannte 1,8-Dihydroxyanthrachinone (1,8-DHA), sind häufiger Bestandteil von Abführmitteln (Laxantien). Im Tierversuch sind solche Substanzen möglicherweise krebserregend (Mueller und Stopper 1999).[3] Pflanzensäfte, die als Abführmittel benutzt werden, aktivieren im Zellkulturversuch die Urokinaseproduktion von Darmzellen, was die Entartung dieser Zellen fördern kann (Schorkhuber et al. 1998).[4] Eine tatsächliche krebserzeugende Wirkung von 1,8-DHA-reichen Abführmitteln wurde beim Menschen bisher weder bestätigt noch ausgeschlossen.

Anbieter des Noni-Saftes machen einen Wirkstoff namens Xeronin (Xeronin), ein hypothetisches Alkaloid, für dessen gesundheitliche Wirkungen verantwortlich. Dieser ist jedoch in der medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaft unbekannt.

Herkunft und Herstellung

Noni-Saft ist ein aus Früchten des Noni-Baumes ('Morinda citrifolia) hergestellter Presssaft. Anbieter wie die Firma Morinda behaupten, es handele sich um eine Pflanze, die in Französisch-Polynesien bereits seit Jahrhunderten wegen ihrer heilsamen Kräfte bekannt sei.

Vermutlich war die Pflanzenart ursprünglich im australischen Queensland heimisch. Von dort verbreitete sie sich sowohl über den Indischen Ozean als auch in die polynesische Inselwelt. Polynesische Seeleute brachten sie vor über 2000 Jahren nach Hawaii, wo sie unter den Namen "Noni" bekannt wurde. Heute findet man die Pflanze auch in vielen Küstenregionen Mittelamerikas und Westindiens sowie auf Madagaskar.

Vermarkter behaupten, dass es sich um ein Mittel aus der polynesischen Kultur handelt, tatsächlich aber ist diese Pflanze auch in Indien als 'indische Maulbeere', in Samoa als 'Nonu', in Tahiti als 'Nono', in Südostasien als 'Nhau' und in Australien als 'Cheese fruit' bzw. 'Vomit fruit' bekannt (Meyer 2000, Mueller et al. 2000).[5][6] Auf den Fidschi-Inseln ist Morinda citrifolia unter den Namen Bois Douleur, Fromagier, Pina de Puerco, Benkudu, Kemudu, Kudu, Mekudu, Mengkudu oder Pache bekannt (Cambie 1986[7]).

Es sind verschiedene Pflanzen und Pflanzenbestandteile der Gattung 'Morinda' bekannt, denen im Gegensatz zu Morinda citrifolia tatsächlich klinische Wirkungen nachgesagt werden bzw. bei denen diese zum Teil bereits belegt sind. Dabei handelt es sich um:

  • die afrikanische Morinda lucida (Bonko-Frucht) und die afrikanische Morinda morindoides,
  • die chinesische Morinda officinalis (Shangshen), die haitianische Morinda royoc (Safran-Frucht),
  • die mexikanische Morinda yucatanensis (Panuela-Frucht),
  • die philippinische Morinda bracteata,
  • die indische Morinda tinctoria,
  • die aus Sierra Leone stammende Morinda longiflora
  • und die aus Java stammende Morinda trifolia (Hamilton und Kirchain 2000[8]).

Gesundheitsversprechen

Noni-Saft werden von seinen Befürwortern viele gesundheitsfördernde und heilende Wirkungen nachgesagt. Ein Wirkstoff namens Xeronin, ein hypothetisches Alkaloid, sei dafür verantwortlich. Das Einsatzspektrum des Saftes reicht angeblich von Diabetes und Arthritis über Depressionen und Übergewicht bis hin zu Krebs.

Tatsächlich gibt es zu den angepriesenen Wirkungen keinerlei wissenschaftlich gesicherten Belege. Für die Anwendung zur Behandlung von Krankheiten mit Noni-Produkten ist eine Zulassung als Arzneimittel gesetzlich vorgeschrieben, welche innerhalb der Europäischen Union für keine einzige der angeblichen Wirkungen existiert.

Die US-Aufsichtsbehörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit FDA verwarnte bereits mehrfach Firmen, die mit medizinischer oder gesundheitsfördernder Wirkung von Noni-Produkten warben. [9] [10] Solche Werbung ist unzulässig, da in den USA kein Noni-Produkt als Arzneimittel zugelassen ist.

Angebliche Wirkung gegen Krebs

Verschiedene Anbieter behaupten, dass Noni-Saft gegen Krebs wirksam sei und im Internet finden sich diverse Hinweise auf angeblich geheilte Patienten, die jedoch bezeichnenderweise vage gehalten und unüberprüfbar sind.

In der medizinischen Fachliteratur finden sich einige Berichte über Tierversuche, in denen ein Inhaltsprodukt des Saftes, nämlich noni-ppt (s.o.) untersucht wurde. Am Department of Pharmacology der Burns School of Medicine der University of Hawaii in Honolulu analysierten Hirazumi und Furasawa (1999) die Überlebenszeitspannen von tumortragenden Mäusen, die dieses Mittel erhielten.[11] Den Tieren wurden Lewis-Lungenzell-Karzinomzellen (LLC) ins Bauchfell injiziert. Im vorher durchgeführten Reagenzglasversuch hatte noni-ppt keinen Einfluss auf das Zellwachstum von LLC gehabt, aber im Mausmodell schien eine gewisse Stimulation von Mediatoren wie Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha), Interleukin-1 beta, IL10, IL-12 und Interferon-gamma zu erfolgen. Eine wirklich relevante Verbesserung der Überlebenszeit der Tiere ergab sich aber erst, als zusätzlich zum noni-ppt Chemotherapeutika wie Adriamycin, Cisplatin, 5-Fluorouracil oder Vincristin appliziert wurden. Dieser Versuch demonstriert, dass noni-ppt allein keine sonderlich hohe Wirksamkeit gegen Krebszellen zu besitzen scheint.

Die Substanz Damnacanthal, eines der 1,8-DHAs im Presssaft von Morinda citrifolia, wurde in der Abteilung für Biochemie der School of Medicine der Chiba Universität in Japan von Hiwasa et al. (1999) im Hinblick auf eine Anti-Tumor-Wirkung untersucht.[12] Im Zellkulturversuch an menschlichen UV-Licht-resistenten fibroblastischen Tumorzellen der Haut konnte man den Zerstörungsgrad der Zellen steigern, wenn vor einer UV-Lichttherapie Damnacanthal appliziert wurde. Die Substanz allein zeigte aber keine Wirkung gegen die Fibroblasten.

Dass der Pflanzensaft der Morinda citrifolia eine gewisse Wirkung gegen Bakterien und Pilze haben könnte, geht aus einer Studie über den in Indonesien verbreiteten Pflanzenmischsaft 'Jamu Gedong' hervor. Limyati und Junair (1998) von der Widya Mandala Catholic University im indonesischen Surabaya fanden bei der Untersuchung des Bakterien- und Schimmelpilzbefalls verschiedener Früchte - u.a. auch von Morinda citrifolia - eine etwas geringere Kontamination durch diese Erreger.[13] Allerdings ist der dafür möglicherweise verantwortliche Wirkstoff nicht bekannt und auch die Stärke des Schutzes der Pflanzen vor Bakterien und Schimmelpilzen wurde noch nicht untersucht.

Die bisher bekannten Veröffentlichungen über die tatsächliche Wirksamkeit des Pflanzensaftes aus Morinda citrifolia ergeben ein eher ernüchterndes Bild. Bisher gibt es nur wenige Tier- und Zellkulturversuche. Weder eine Patientenstudie, noch eine glaubhafte Fallbeschreibung eines angeblich geheilten (Krebs-)Patienten liegt vor. Für die Behauptung, dass Noni-Saft eine krebsvernichtende Wirkung beim Menschen habe, gibt es bisher keinerlei Beweise. Von propagierten Heilerfolgen in anderen Indikationsbereichen liegen gar keine Berichte vor.

Nebenwirkungen

Lebertoxische Wirkung

Ergänzend zu der bereits im Jahr 2003 veröffentlichten Unbedenklichkeitsbescheinigung durch das EU Scientific Committee on Foods (SCF) veröffentlichte die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) einen eigenen Untersuchungsbericht, in dem ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Tahitian Noni Juice und Lebertoxizität verneint wird ("Eine lebertoxische Wirkung durch das oben beschriebene Produkt ist aufgrund der derzeit vorliegenden Erkenntnisse nicht nachvollziehbar."). [14]

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) leitete ihrerseits ein Prüfverfahren dazu ein, ob aufgrund der aufgetretenen Fälle eine Neubewertung hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit erforderlich ist. Am 6. September 2006 veröffentlichte sie ihren Untersuchungsbericht, der besagt, dass der Konsum von Tahitian Noni Juice unbedenklich sei.[15] ("On the basis of the available toxicological information [...] the Panel considers it unlikely that consumption of noni juice, at the observed levels of intake, induces adverse human liver effects."). [16]

Betont wird, dass die Untersuchung sich ausschließlich auf mögliche Leberschädigungen bezog und keine Aussagen zur medizinischen Wirksamkeit des Produktes gemacht werden.

In wissenschaftlichen Publikationen aus dem Jahr 2005 wurden Fälle von akuter Leberentzündung (Hepatitis) beschrieben, bei denen ein Zusammenhang mit dem Verzehr von Noni-Säften bestehen könnte. Dort wird beschrieben, dass Noni-Saft durch die enthaltenen Anthraquinone hepatotoxisch wirken kann.. Bei einem Patienten mit Glioblastom kam es zu einem deutlichen Anstieg der Leberwerten. Nach diesen Berichten hatte die französische Lebensmittelbehörde Agence française de sécurité sanitaire (AFSSA) im Oktober 2005 eine Warnung an Konsumenten veröffentlicht, nicht mehr als 30 ml Noni-Saft pro Tag einzunehmen.[17]

In Deutschland prüfte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Anfang 2006 einen Fall von Leberentzündung nach Verzehr von Noni-Saft. [18]

Nierenschäden

Mueller et al. (2000) berichten von einem nierenkranken Patienten, der zur Behandlung einer Hyperkaliämie in die nephrologische Ambulanz der Universität Indianapolis (US-Bundesstaat Indiana) kam.[19] Der Mann, der an einer chronischen Niereninsuffizienz mit deutlich erhöhten Kreatininwerten litt, wurde in relativ kurzer Zeit zweimal wegen einer massiven Hyperkaliämie eingeliefert. Er berichtete den Ärzten, dass er seinen Kostplan und seine Trinkgewohnheiten streng den ärztlichen Auflagen angepasst habe, so dass zunächst unklar war, woher die massive Zufuhr von Kalium kam. Auf Nachfrage gab der Patient an, seit längerer Zeit regelmäßig Noni-Saft (ein Glas vor jeder Mahlzeit) zu trinken, den er aus einer Drogerie bezog. Daraufhin wurde der Saft auf seine Kaliumkonzentration hin untersucht und es stellte sich heraus, dass dieser Saft mit einer Konzentration von 56,3 +/- 2,5 mEq/l eine fast so hohe Kaliummenge enthielt wie beispielsweise Tomatensaft (58 mEq/l) und deutlich höher als bei Grapefruitsaft (43 mEq/l) oder Apfelsaft (32 mEq/l). Gerade solche Pflanzensäfte sollten von Nierenkranken gemieden werden, da sie die aufgenommenen Kaliummengen nicht mehr in ausreichendem Maß ausscheiden können, was zu einem lebensdrohlichen Anstieg der Kaliumkonzentration im Blut führen kann.

Obwohl der Patient auf seine gesundheitliche Gefährdung, die sich aufgrund seines regelmäßigen Noni-Saft-Konsums ergab, hingewiesen worden war, reagierte er uneinsichtig. Er war der Ansicht, dass ihn der Saft von seinem Leiden kurieren könne, da angeblich ein Verwandter nach Einnahme des Saftes von Krebs geheilt worden war. Die Ärzte seien nur nicht willens, die 'Macht des Noni-Saftes zu verstehen'. Er verließ die Klinik und kehrte nicht zurück. Mueller et al. (2000) rieten deshalb allen Ärzten, die bei ihren nierenkranken Patienten nach Ursachen einer scheinbar unerklärlichen Hyperkaliämie suchen, auf den Konsum von kaliumreichen Pflanzensäften zu achten.[20]

Studienlage

Betrachtet man die bisherigen Studien über verschieden Morinda-Arten und deren Inhaltsstoffe, ergeben sich Hinweise auf mögliche Wirkungen, die sich allerdings nicht auf Morinda officinalis (die Basis des Noni-Saftes) beziehen, sondern auf die afrikanische Morinda lucida bzw. Morinda morindoides und die chinesische Morinda officinalis.

  • Morinda lucida zeigte im Tierversuch an Ratten, die mit Stretozotocin künstlich zu Diabetikern gemacht wurden, eine deutliche antidiabetische Wirkung. Der methanolische Auszug aus Morinda lucida benth. (Rubiaceae), der allerdings aus den Blättern(!) der Pflanze gewonnen wurde, zeigte nach dreitägiger Fütterung der Tiere eine ebenso gute glukosesenkende Wirkung wie das Pharmakon Glibenclamid, welches die Ausscheidung von Insulin aus den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse anregt (Olajide et al. 1999).[21]
  • Ein ebenfalls aus den Blättern von Morinda lucida gewonnener Auszug war in der Lage, im Reagenzglas eine Verringerung der Aktivität der Malariaerreger Plasmodium falciparum um bis zu 60% zu erreichen (Tona et al. 1999).[22]
  • Wurzelextrakte aus Morinda morindoides konnten im Reagenzglas das Wachstum bestimmter Erreger von Darmkrankheiten (so genannten Amöben) hemmen (Tona et al. 1998)[23]. Allerdings erreichte der Extrakt nicht so gute Ergebnisse wie das Medikament Metronidazol.
  • Cimanga et al. (1997) isolierten aus den Blättern von Morinda morindoides ein Kaempferol (7-O-(alpha-L-rhamnopyranosyl-(1-->6)-(beta-D-glucopyranosyl-(1-->2)-beta-D-glucopyranosid), das in der Lage war, ein bestimmtes Untersystem der menschlichen Immunabwehr - das so genannte Komplementsystem - dosisabhängig zu hemmen. Dabei wurde sowohl der klassische als auch der alternative Aktivierungsweg gehemmt. Die Substanz wurde von den Autoren Morindaosid genannt. Da sie das Abwehrsystem hemmt, kann sie im Einzelfall entzündungshemmende Wirkung haben. Da das Komplementsystem jedoch dafür zuständig ist, fremde Bakterienoberflächen zu markieren und zum Angriff durch Abwehrzellen freizugeben bzw. eindringende Antigene, die bereits mit spezifischen IgG- oder IgM-Antikörpern markiert sind, zu erkennen und somit ebenfalls zur Verstärkung der Immunabwehr beizutragen, ist das Kaempferol offenbar nicht dazu geeignet, die Immunabwehr zu stärken.[24]
  • Die Wurzeln von Morinda officinalis enthalten verschiedene Substanzen wie z. B. vier verschiedene iridoide Glucoside, Iridoidlakton, Morindolid, Morofficinalosid, fünf verschiedene Anthraquinone, zwei Sterole und ein Ursan-Triterpen (Yoshikawa et al. 1995), deren einzelne Wirkungen aber bis heute noch nicht geklärt sind.[25]
  • Morinda officinalis ist eine Pflanze mit weißen Blüten und einer Wurzel, die einen gelben Farbstoff liefert. In China wird sie als Ba ji tiane in den Provinzen Guangdong, Guangxi und Fujian angebaut und die Wurzel wird zeitig im Frühjahr geerntet. Diese enthält Morindin und Vitamin C. Die Wurzel wurde bereits im chinesischen Altertum (1. nachchristliches Jahrhundert) im Buch Shen non ben cao jing (="Wurzeln und Heilkräuter des gestaltenden Landmannes") erwähnt. Der Wurzelextrakt soll die Nierentätigkeit anregen, bei Unfruchtbarkeit und Impotenz helfen, unregelmäßige Periodenblutungen normalisieren, Schmerzen lindern und bei Blasenkatarrh und Harnschwäche, häufigem Harnlassen und Harninkontinenz wirksam sein (Chevallier 1999[26]).

Vermarktung

Noni-Saft wird aggressiv über das Multilevel Marketing als Wellnessgetränk, aber auch zur Vorbeugung von Krankheiten bis hin zu Krebstherapie angepriesen und gehört zu den Lebensmitteln, deren Verkauf mit diversen Heilwirkungen belegt wird, um den Verkauf zu fördern.

Seit Beginn des Jahres 1999 wurde Noni-Saft in Deutschland, Österreich und der Schweiz massiv beworben. Einer der Hauptdistributoren für Noni-Saft ist der Strukturvertrieb der Firma Morinda Inc., die folgende Produkte auf den Markt gebracht hat: Tahitian Noni®, Morinda® und Noni™. Der Sitz der Firma befindet sich in Provo, Utah, USA.

In den USA boomt der Vertrieb von Noni-Saft. Aktuelle Publikationen gehen von einem monatlichen Umsatz von 23,5 Millionen US-Dollar aus (Hamilton und Kirchain 2000[27]). Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Anbieter dieser Saft-Spezialität rasch zu.

Rechtliche Situation in der EU

Noni-Produkte gelten als neuartige Lebensmittel, die nach der Novel-Food-Verordnung eine Zulassung benötigen. Danach müssen die Hersteller oder Anbieter nachweisen, dass von einem neu auf dem europäischen Markt angebotenen Lebensmittel keine gesundheitlichen Gefahren für den Verbraucher ausgehen. Dies umfasst nur die Bestätigung der Unschädlichkeit des Produktes für den Konsumenten und nicht den Nachweis gesundheitlicher Wirksamkeit. Im Jahr 2001 verordnete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wegen Nichtwirksamkeit des Produktes ein vorläufiges Verbot für Nonisaft. Im Jahr 2003 gestattete die Europäische Kommission schließlich das Inverkehrbringen von Noni-Saft (Saft aus der Frucht der Spezies Morinda citrifolia L.). Auflagen für den Vertrieb waren unter anderem die Pasteurisierung des Getränks und der Verzicht auf Werbeaussagen, die dem Produkt eine gesundheitsfördernde Wirkung unterstellen. Auf dem Etikett des Erzeugnisses selbst oder im Zutatenverzeichnis der Fruchtsaftgetränke, die das Erzeugnis enthalten, muss gemäß der Richtlinie 2000/13/EG die Bezeichnung "Noni-Saft" oder "Morinda citrifolia-Saft" erscheinen.

Auch nach der Zulassung des Noni-Saftes "Tahitian Noni" als Lebensmittel ("Novel Food") ist wegen nicht nachgewiesener Wirksamkeit die Werbung mit gesundheitsbezogenen Aussagen zur Heilung und Linderung von Krankheiten nach dem Lebensmittelrecht verboten. Zudem gilt diese Zulassung lediglich für die darin angeführten Produkte des Antragstellers. Weitere Produkte (auch Noni-Saft anderer Hersteller) müssen gesondert zur Genehmigung eingereicht werden. Eine Liste der in der EU zugelassenen Noni-Saft Produkte ist - ständig aktualisiert - auf der Website der Kommission veröffentlicht[28]

Seit 2008 sind auch Noni-Blätter als Novel Food zugelassen.[29] Am 21. April 2010 erteilte die Europäische Kommission darüber hinaus auch die Novel-Food-Zulassung für Noni-Püree und Noni-Konzentrat.[30]

Nach der Health-Claims-Verordnung der EU dürfen bei Lebensmitteln Angaben über gesundheitsbezogene Eigenschaften wie etwa "stärkt die Abwehrkräfte", "cholesterinsenkend" oder "unterstützt die Gelenkfunktionen" nur noch dann angegeben werden, wenn sie als "Claim" in einer Liste [31] (Gemeinschaftsregister[32]) aufgeführt und damit für ein Lebensmittel oder eine Lebensmittelzutat zugelassen sind.

Fazit

In einem im Dezember 2002 veröffentlichten Schreiben hielt das wissenschaftliche Gremium für Lebensmittel der EU Noni-Saft in den angebotenen Mengen zwar für akzeptabel, stellte allerdings auch fest, dass die Angaben und Informationen über Noni keinerlei Beweise für eine besondere gesundheitsfördernde Wirkung von "Noni-Saft" liefern, die über diejenige von anderen Fruchtsäften hinausgeht. [33] Dieser Beurteilung der EU schließt sich das Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz an, wo zudem auch jegliche gesundheitsfördernde Anpreisungen in Zusammenhang mit Noni-Saft nicht zulässig sind. [34] Heilanpreisungen sind sowohl in der EU wie auch in der Schweiz verboten.

Andere Noni-Produkte

Neben Noni-Saft werden auch Noni-Früchte, Blätter und Tees angeboten. Diese Erzeugnisse sind nicht für den europäischen Markt zugelassen. Eine Überprüfung der gesundheitlichen Wirkungen erfolgte bisher nicht.

Siehe auch

Weblinks

Quellennachweise

  1. Hagendoorn MJ, Jamar DC, van der Plas LH: Directing anthraquinone accumulation via manipulation of Morinda suspension cultures. Methods Mol Biol 111: 383-391, 1999
  2. Hiramatsu T, Imoto M, Koyano T, Umezawa K: Induction of normal phenotypes in ras-transformed cells by damnacanthal from Morinda citrifolia. Cancer Lett 73: 161-166, 1993
  3. Mueller SO, Stopper H: Characterization of the genotoxicity of anthraquinones in mammalian cells. Biochim Biophys Acta 1428: 406-14, 1999
  4. Schorkhuber M, Richter M, Dutter A, Sontag G, Marian B: Effect of anthraquinone-laxatives on the proliferation and urokinase secretion of normal, premalignant and malignant colonic epithelial cells. Eur J Cancer 34: 1091-1098, 1998
  5. Meyer R: Noni-Zubereitungen gegen Krebs u.a.? Arznei-Telegramm, Ausgabe Februar 2000
  6. Mueller B, Scott MK, Sowinski KM, Prag KA: Noni Juice (Morinda citrifolia): hidden potential für hyperkalemia? Am J Kidney Dis 35: 310-312, 2000
  7. Cambie R: Fijian medical plants. in: Steiner, E. (Ed.): Folk medicine the art and the science. Washington D.C., American Medial Society, 68-89, 1986
  8. Hamilton W, Kirchain WR: Noni Juice. Benefits of noni juice may be limited to the vitamins, minerals, and possible placebo effect the product provides. US Pharmacist, 2000
  9. Food and Drug Administration: Warning letter, August 26, 2004 (PDF)
  10. Food and Drug Administration: Warning letter, August 29, 2004 (PDF)
  11. Hirazumi A, Furusawa E: An immunomodulatory polysaccharide-rich substance from the fruit juice of Morinda citrifolia (noni) with antitumour activity. Phytother Res 13: 380-387, 1999
  12. Hiwasa T, Arase Y, Chen Z, Kita K, Umezawa K, Ito H, Suzuki N: Stimulation of ultraviolet-induced apoptosis of human fibroblast UVr-1 cells by tyrosine kinase inhibitors. FEBS Lett 444: 173-176, 1999
  13. Limyati DA, Juniar BL: Jamu Gedong, a kind of traditional medicine in Indonesia: the microbial contamination of its raw materials and endproduct. J Ethnopharmacol 63: 201-208, 1998
  14. Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit: AGES nimmt Stellung zu Noni-Saft ("Tahitian Noni Juice"), 20. September 2006
  15. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit: EFSA re-assesses safety of noni juice, 6. September 2006, Bundesinstitut für Risikobewertung: EFSA bewertet erneut die Sicherheit von Noni-Saft (PDF), 6. September 2006
  16. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit: Opinion on a request from the Commission related to the safety of noni juice (juice of the fruits of Morinda citrifolia) (PDF), 1. September 2006
  17. PRIO: Faktenblatt Noni
  18. Bundesinstitut für Risikobewertung: Können Noni-Säfte die Gesundheit schädigen? (PDF; 103 kB), 6. März 2006
  19. Mueller B, Scott MK, Sowinski KM, Prag KA: Noni Juice (Morinda citrifolia): hidden potential für hyperkalemia? Am J Kidney Dis 35: 310-312, 2000
  20. Mueller B, Scott MK, Sowinski KM, Prag KA: Noni Juice (Morinda citrifolia): hidden potential für hyperkalemia? Am J Kidney Dis 35: 310-312, 2000
  21. Olajide OA, Awe SO, Makinde JM, Morebise O: Evaluation of the anti-diabetic property of Morinda lucida leaves in streptozotocin-diabetic rats. J Pharm Pharmacol 51: 1321-1324, 1999
  22. Tona L, Ngimbi NP, Tsakala M, Mesia K, Cimanga K, Aperes S, De Bruyne T, Pieters L, Totte J, Vlietinck AJ: Antimalarial activity of 20 crude extracts from nine african medical plants used in Kinshasa, Congo. J Ethnopharmacol 68: 193-203, 1999
  23. Tona L, Kambu K, Ngimbi NP, Cimanga K, Vlietinck AJ: Antiamoebic and phytochemical screening of some congolese medical plants. J Ethnopharmacol 61: 57-65, 1998
  24. Cimanga K, De Bruyne T, Van Poel B, Ma Y, Claeys M, Pieters L, Kambu K, Tona L, Bakana P, Van den Berghe D, Vlietinck AJ: Complement-modulating properties of a kaempferol 7-O-rhamnosylsophoroside from the leaves of Morinda morindoides. Planta Med 63: 220-223, 1997
  25. Yoshikawa M, Yamaguchi S, Nishisaka H, Yamahara J, Murakami N: Chemical constituents of chinese natural medicine, morindae radix, the dried roots of morinda officinalis how.: structures of morindolide and morofficinaloside. Chem Pharm Bull (Tokyo) 43: 1462-1265, 1995
  26. Chevallier A: Die BLV-Enzyklopädie der Heilpflanzen. BVL Verlagsgesellschaft München, S.235, 1999
  27. Hamilton W, Kirchain WR: Noni Juice. Benefits of noni juice may be limited to the vitamins, minerals, and possible placebo effect the product provides. US Pharmacist, 2000
  28. http://www.europarl.europa.eu/brussels/website/media/Basis/Legislative/Pdf/Novel_Food_Verordnung.pdf
  29. Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA: EFSA bestätigt Sicherheit von Noni-Blättern für Tee [1]
  30. Umwelt Online: Beschluss 2010/228/EU der Kommission vom 21. April 2010 über die Genehmigung des Inverkehrbringens von Püree und Konzentrat aus Früchten von Morinda citrifolia als neuartige Lebensmittelzutat gemäß der Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates[2]
  31. VO (EU) Nr. 432/2012 (PDF)
  32. EU Register of nutrition and health claims made on foods
  33. European Commission, Scientific Committee on Food, 11. Dezember 2002
  34. Bundesamt für Gesundheit